Sport : Evander Holyfield: Der Alte zieht nicht mehr

Die große Zugnummer ist Evander Holyfield offenbar nicht mehr. Obwohl die teuersten Eintrittskarten mit 500 Dollar nur noch ein Viertel von dem kosten, was man einst für seine beiden Duelle mit Mike Tyson bezahlen musste, sind noch genügend Tickets für den Kampf um den vakanten Weltmeistertitel der World Boxing Association (WBA) in der Nacht zum Sonntag in Las Vegas gegen John Ruiz erhältlich. Mit pathetischen Sprüchen wie: "Wer nicht kommt, verpasst ein welthistorisches Ereignis", rührte der Schwergewichtler während der Woche deshalb noch einmal kräftig die Werbetrommel. Im Grunde ist es ihm aber egal, wie voll die Arena im Hotel Paris sein wird. Den Ex-Champion interessiert nur eins: Er will sich in der Königsklasse zum vierten Mal mit dem WM-Gürtel schmücken. Damit würde er Geschichte schreiben, denn das schaffte noch niemand.

Dass der bei den Buchmachern als 4:1-Favorit geführte Amerikaner (36 Siege/vier Niederlagen/ein Unentschieden) sein Ansinnen verwirklichen wird, bezweifelt kaum einer. Sein mit 28 Jahren acht Jahre jüngerer Landsmann führt zwar die WBA-Rangliste vor ihm an, doch bei der einzigen echten Bewährungsprobe in 39 Profi-Kämpfen ging er schon nach 19 Sekunden in die Knie. Mit einer knallharten Rechten hatte ihn der Neuseeländer David Tua - fordert im November WBC- und IBF-Weltmeister Lennox Lewis heraus - am 15. März 1996 ausgeknockt. "Der Fight verfolgt mich noch immer wie ein Albtraum. Doch jetzt wird das ein für alle Mal vorbei sein, wenn ich erst der Champion bin", tönte der in Puerto Rico geborene Ruiz, der sich im Gegensatz zu seinem prominenten Kontrahenten (fünf Millionen Dollar) mit einer Börse von 1,1 Millionen Dollar bescheiden muss.

Holyfield, Vater von neun Kindern mit mindestens vier verschiedenen Frauen, beteuerte unterdessen, dass er seinen namenlosen Gegner keinesfalls unterschätzen wird. Indiz dafür sei, dass er den ursprünglich für den 10. Juni terminierten Fight wegen einer Bauchmuskelzerrung absagte. Er war schon mehrfach nicht im Vollbesitz seiner Kräfte in den Ring geklettert und sah dabei stets schlecht aus. Beispielsweise bei der Punktniederlage am 22. April 1994 gegen Michael Moorer (USA) oder beim schmeichelhaften Unentschieden im Frühjahr 1999 gegen Lewis. "Risiko kann ich mir jetzt nicht mehr leisten. Dafür ist meine Zeit als Boxer zu kurz", sagte Holyfield.

Am 25. Oktober 1990 hatte "The Real Deal" gegen James Douglas (USA) durch K. o. in der dritten Runde erstmals den WM-Gürtel nach Version der IBF im höchsten Limit erobert. Nach der Punktniederlage gegen Riddick Bowe (USA) am 13. November 1992 kehrte er im Jahr darauf am 6. November durch eine erfolgreiche Revanche auf den Thron der Weltverbände IBF und WBA zurück. Dem anschließenden Titelverlust gegen Moorer folgte am 9. November 1996 das grandiose Comeback mit dem K. o. in der elften Runde gegen Tyson. Beim zweiten Versuch am 13. November vorigen Jahres gegen Lewis, die drei wichtigen WM-Titel zu vereinigen, bezog er schließlich seine dritte Punktniederlage.

"Jede Generation erklimmt eine neue Stufe. Floyd Patterson erkämpfte als erster die Weltmeisterschaft zwei Mal, Muhammad Ali war der erste, dem das Kunststück drei Mal gelang. Und ich werde der erste vierfache Champion sein", versicherte Holyfield.

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