• Evolution statt Revolution: Der Beirat wird abgeschafft, der Liga-Verband wird mächtiger

Sport : Evolution statt Revolution: Der Beirat wird abgeschafft, der Liga-Verband wird mächtiger

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) plant in den nächsten Monaten Strukturreformen. Das Konzept, das der DFB am Donnerstag veröffentlichte, beinhaltet die Gründung eines mit größerer Selbstständigkeit versehenen Liga-Verbandes für die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga mit einem eigenen Liga-Präsidenten. Zudem soll das Präsidium des DFB von sieben auf zehn Personen erweitert werden. Der bisher einflussreiche DFB-Beirat, der rund 80 Personen umfasste, soll abgeschafft werden. Zudem ist geplant, dass für alle Führungspositionen die Möglichkeit besteht, zukünftig bezahlte, hauptamtliche Kräfte zu berufen.

"Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich in den nächsten 14 Monaten für den DFB sehr viel ändern wird", sagte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach. Derzeit liegen die Pläne den Verbandsgremien zur Beratung vor. Die Pläne, die von einer Projektgruppe aus fünf DFB-Funktionären und einem externen Berater ausgearbeitet wurden, sollen zügig umgesetzt werden. Der Beirat beschäftigt sich am 29. April mit den neuen Strukturen. Der außerordentliche Bundestag, auf dem die Reform verabschiedet werden soll, wurde auf den 30. September 2000 in Mainz terminiert. Zugleich wurde der nächste ordentliche Bundestag, der im Oktober 2001 in Magdeburg vorgesehen war, auf April 2001 vorgezogen. Damit könnten die Beschlüsse, die im Profi-Fußball mit der Reform zusammenhängen, schon für die Saison 2001/2002 wirksam werden.

"Die Reformen bedeuten keine Revolution, sondern sind eine Evolution. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen", sagte Niersbach. Die Liga-Vereine hätten durch den DFB-Ligaausschuss auch bislang eine große Selbstständigkeit besessen. "Diese Eigenständigkeit wird nun juristisch festgeschrieben", sagte Niersbach. Noch vor den Umgestaltungen der DFB-Gremien würden der Profi-Fußball und der DFB in Kürze einen neuen "Grundlagenvertrag" unterzeichnen. Darin sollen wirtschaftliche Fragen sowie die "wechselseitigen Rechte und Pflichten" festgelegt werden. "Das Wichtige ist, dass die Einheit des deutschen Fußballs gewahrt bleibt. Über alle nationalen und internationalen Angelegenheiten wird gemeinsam entschieden."

Niersbach sagte, die Reform werde mit spannenden Personaldiskussionen verbunden sein. Nach dpa-Informationen gilt es als sicher, dass Gerhard Mayer-Vorfelder, derzeit Liga-Chef und Stellvertreter von DFB-Präsident Egidius Braun, im April 2001 die Nachfolge von Braun antritt. Die Amateurvertreter mit ihrer Stimmenmehrheit haben dem Stuttgarter Unterstützung signalisiert. Fraglich ist indes, ob Mayer-Vorfelder zugleich das Amt des Liga-Präsidenten ausüben kann. Aus dem Profi-Bereich mehren sich die Stimmen, der Münchner Karl-Heinz Rummenigge solle Liga-Boss werden.

An Fahrt würde das Personalkarussell gewinnen, wenn der DFB am 6. Juli vom Internationalen Fußball-Verband (FIFA) mit der Ausrichtung der WM 2006 beauftragt würde. Dies wäre mit der Gründung eines Organisationskomitee verbunden, für dessen Führung Franz Beckenbauer vorgesehen ist. Zudem diskutiert der DFB, wer den Verband zukünftig in den Spitzengremien der Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) vertreten soll, nachdem feststeht, dass Braun im kommenden Juni sein Amt als Mitglied der Uefa-Exekutive aufgibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben