Sport : Ewige Hoffnung

Schon zum Auftakt der Formel-1-Saison tobt der Streit über die neuen Regeln

Matthias B. Krause[New York]

Es wird wohl eine Sonntagspredigt werden. Kurz vor dem Start des Großen Preises von Malaysia bittet Paul Stoddart, Chef des Minardi-Teams, zum Gespräch. Thema: „Die Hoffnung lebt ewig“. Stoddart nimmt sich damit selbst ein wenig auf den Arm, und doch mag niemand lachen, denn der Hintergrund ist ernst. Die Saison 2005 ist gerade zwei Rennen alt, und schon wird an allen Ecken und Enden wieder diskutiert und gestritten.

Da ist einmal das störrische Verhalten von Ferrari. Das überragende Team der vergangenen Jahre verweigert sich beharrlich der von allen anderen geschlossenen Vereinbarung, die Zahl der Testtage während der Saison auf 30 zu limitieren. Das hat seinen Grund: Die Italiener sind mit ihren Autos schlecht gestartet, sie stehen unter dem Druck, ihr neues Modell so früh wie möglich einzusetzen. Dafür müssen sie testen, auf Teufel komm raus. Seit 15 Jahren gilt in der Formel 1, dass in einer Grand-Prix-Woche nicht getestet wird. Der Ferrari-Testpilot Luca Badoer war dagegen sowohl in der Australien- als auch in der Malaysia-Woche auf den werkseigenen Teststrecken in Fiorano und Mugello eifrig unterwegs.

Am Freitag gab es nun ein offizielles Statement im Namen der neun anderen Teams, in dem sie sich von der Ferrari-Haltung sehr enttäuscht zeigen und befürchten, die Kosten in der Formel 1 könnten wieder ins Unermessliche wachsen. Außerdem verschaffe sich Ferrari auf sportlich unfaire Weise einen Vorteil. Verfasst hatte das Statement eben jener Paul Stoddart, der sich ja zum Wortführer der Unzufriedenen gemacht hat. Ihm gehe es nicht nur um den konkreten Fall, sagte Stoddart. Vielmehr hätten Teams und vor allem die großen Hersteller mehr und mehr das Gefühl, sie stünden einer Allianz von Ferrari und Weltverband Fia gegenüber. McLaren-Mercedes verwies auf das vergangene Jahr. Damals steckte das deutsch-englische Team in einer Krise und hätte ein paar zusätzliche Testtage gut brauchen können. „Aber wir haben uns an alle Vereinbarungen gehalten", sagt ein Teamsprecher.

Ein anderer Streitpunkt wird auf einmal das dritte Auto, das McLaren-Mercedes als Fünfter der letztjährigen Konstrukteurs-WM jetzt am Freitag einsetzen darf. Nur die Top 4 des Vorjahres, Ferrari, BMW, Renault und BAR, müssen weiter mit zwei Autos auskommen. Das wollen die Großen nicht länger akzeptieren. Vor allem Ferrari-Technikchef Ross Brawn moniert nun, diese rigide Auslegung widerspreche dem Geist des Reglements. McLaren-Chef Ron Dennis konterte in Malaysia: „Die Regel ist doch damals einstimmig so beschlossen worden. Wir sind im letzten Jahr ja nicht freiwillig nur Fünfter geworden.“

Auch das Thema des neuen Qualifyingformats ist noch nicht durch: Die Addition der beiden Einzelzeitfahren am Samstag und Sonntag früh wirft Fragen auf. Warum werden ohne Not durch unterschiedliche Wetterbedingungen dem Zufall Tür und Tor geöffnet? „Das ist absolut unnötig“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. „Im Gegensatz zum Skispringen oder Abfahrtslauf könnten in der Formel 1 sehr wohl alle gemeinsam auf die Strecke gehen." Und warum hat niemand bedacht, dass das zweite Qualifying am Sonntagmorgen, so kurz vor dem Rennen, für Fernsehen und Medien und damit auch für die Sponsoren quasi verloren ist? Nach dem Großen Preis von Bahrein am 3. April soll es zu diesem Thema auf jeden Fall noch einmal ein Meeting geben. Vielleicht wird das Reglement schon zum Europa-Auftakt in Imola am 24. April wieder geändert. Vielleicht hat Stoddart Recht, dass wenigstens die Hoffnung ewig lebt.

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