Sport : Ewiger Return

Martina Navratilova siegt in Wimbledon mit 6:0, 6:1

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Am Netz gab Martina Navratilova ihrer Gegnerin noch einen kleinen Klaps auf die Schultern. Sollte vielleicht heißen: „Nimm’s nicht so schwer.“ Schon ganz andere haben gegen die USAmerikanerin verloren: Chris Evert, Steffi Graf, Monica Seles. Trotzdem wird sich die 24-jährige Kolumbianerin Catalina Castano nach ihrem Auftritt in Wimbledon grämen, denn diese Matches sind alle schon eine gute Weile her. Sie aber hat gegen die 47-jährige Martina Navratilova verloren. Und das auch noch sehr deutlich.

Mit 6:0 und 6:1 zog Martina Navratilova in die zweite Runde in Wimbledon ein. Das war ihr letztmals 1994 gelungen. Erst in diesem Jahr hat sie zur Freude vieler Tennisfans wieder damit angefangen, neben den Spielen im Doppel auch im Einzel anzutreten. In Wimbledon kam sie durch eine Wild Card ins Hauptfeld, 3000 Zuschauer klatschten ihr am ersten Tag begeistert Beifall, besonders, als sie ihr Match auch noch so dominierte.

Obwohl sie das Turnier an der Church Road zwischen 1978 und 1990 neunmal gewonnen hat, dürfte ihr der aktuelle Erstrundensieg etwas bedeuten. Bei den French Open hatte es Kritik gegeben an ihren plötzlichen Ambitionen, trotz fortgeschrittenen Alters wieder im Einzel anzutreten. Als sie in Paris auch noch chancenlos in ihrem Erstrundenmatch auf Sandplatz an der Argentinierin Gisela Dulko scheiterte, mehrten sich die Beschwerden: Sie nehme jüngeren Spielerinnen, die noch eine Zukunft auf der Tour hätten, einen Startplatz weg. Doch ihr jüngster Sieg zeigt, dass sie in dem Feld ihrer Töchter noch mithalten kann.

Immerhin deklassierte sie die aktuelle Nummer 102 der Weltrangliste. Selber wird Martina Navratilova nun an Nummer 1001 geführt. Doch die Kurzbiografie ihrer Erfolge im Players Guide ist eine Aneinanderreihung von Zahlen, die ganze vier Seiten füllt. Keine andere Spielerin hat in ihrem Leben so viel Tennis gespielt wie Martina Navratilova. Und sie hat immer noch nicht genug davon. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, sagte die US-Amerikanerin. „Ich liebe das Spiel, es macht einfach Spaß.“ Inzwischen zählt jeder ihrer Auftritte zu den Highlights auf der Tour. Sie ist ein begehrter Gesprächspartner für Spielerinnen und Medien, da sie inzwischen den Vergleich zwischen drei Generationen ziehen kann. Sie hat in den Achtzigerjahren gegen Chris Evert gespielt, in den Neunzigerjahren gegen Steffi Graf, und jetzt könnte sie sogar irgendwann auf Serena Williams treffen.

Im Jahr 2000 hatte sie nach drei Jahren Pause wieder damit begonnen, auf der WTA-Tour mitzuspielen. Allerdings nur im Doppel. Erst in diesem Jahr tritt sie auch wieder im Einzel an. „In Doppel und Mixed will ich bei den Grand Slams gut spielen“, erklärte Navratilova, „wenn mir der Einsatz im Einzel-Wettbewerb dazu hilft, werde ich es machen“. Nach ihrer Erstrundenniederlage in Eastborne hatte sie kurz überlegt, ob sie in Wimbledon überhaupt im Einzel antreten soll. Das gestrige Erstrundenmatch zeigt, dass sie sich richtig entschieden hat.

Für ihre Niederlage in Paris führt sie inzwischen das Alter als Grund an. „In Frankreich war ich nicht ganz gesund“, sagte Martina Navratilova, „mein Körper lässt mich mittlerweile immer häufiger im Stich“.

In der nächsten Runde hat Martina Navratilova nun sogar die Chance, diese Niederlage wieder wettzumachen. Sie trifft nämlich entweder auf die Jugoslawin Jelena Dokic – oder eben auf ihre Paris-Bezwingerin Gisela Dulko. Dann kann sie auch diese Bilanz in ihrer langen, langen Karriere freundlicher gestalten. Tsp

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