Sport : Ewiges Heimspiel

Sven Felski und die enge Beziehung zu den Eisbären

Claus Vetter

Berlin - Dreißig Jahre. Ein Alter, in dem es für manchen Eishockeyprofi erst richtig losgeht. Das Alter, in dem sich Jugend und Erfahrung paaren. Bei Sven Felski ist das wohl so. Vor ein paar Tagen hat der Stürmer des EHC Eisbären seinen runden Geburtstag gefeiert, nach dem ersten Drittel einer Saison, die für den gebürtigen Berliner die beste seiner Laufbahn werden könnte. Am Donnerstag trug er maßgeblich zum 3:2 der Eisbären gegen die Hamburg Freezers bei. Er schoss bereits seine Saisontore fünf und sechs.

Wo er die Tore erzielt hat? Allesamt im Sportforum. Keiner hat dort bisher so oft getroffen wie Felski. „In Berlin habe ich eben mehr Glück als anderswo“, sagt er. Und das passt ins Bild: Keiner gehört so zu den Eisbären wie Felski. In Hohenschönhausen hat er das Eishockeyspielen gelernt, in Hohenschönhausen spielt er als Profi – seit 13 Jahren. Das ist einerseits schön für ihn. Die Fans mögen den Stürmer mit der Nummer elf wie keinen anderen bei den Eisbären. Andererseits war er lange der einzige Deutsche bei den Berlinern, auf den sich das Interesse der Öffentlichkeit konzentrierte. Erst recht, als das Bosman-Urteil deutsche Spieler in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zur Rarität werden ließ. Das bedeutete für ihn auch Druck, sagt er. Nach dem Motto: „Warum hast du erst sechs Tore geschossen, während der Kanadier schon zehn geschossen hat?“

Die Zeiten sind vergessen, vor allem in Berlin, wo der EHC Eisbären vermehrt auf deutsche Spieler setzt. Gegen Hamburg hatte Felski mit Alexander Barta und Florian Keller zwei deutsche Sturmpartner. „Die beste Reihe des Spiels“, sagte Trainer Pierre Pagé. „Und Sven hat nun sogar eine Plus sieben in seiner Statistik stehen.“ Das bedeutet: Felski stand bei 14 Berliner Toren auf dem Eis und nur bei sieben Gegentoren. „Zahlen“, sagt er. „Die können täuschen. Wenn ich nicht bei Überzahl spiele, kann ich auch nicht unter die besten Scorer kommen. Und wenn ich meist den defensiven Part in unserem offensiven System spielen muss, dann ist das mit dem Toreschießen für mich eben komplizierter als für jemanden, der nur vor dem Tor herumläuft.“

Das darf Felski nun wieder in der Nationalmannschaft. Dort sah es für ihn jahrelang unter Hans Zach weniger gut aus. Der ehemalige Bundestrainer bevorzugte kantige Spielertypen mit Disziplin und nicht einen filigranen Techniker wie Felski, der sich auch schon mal vom Gegner provozieren lässt. Bei der WM im Frühjahr war er nur Tourist. Unter Greg Poss kam Felski nun beim Deutschland-Cup zum Einsatz, weil der neue Bundestrainer ein offensives System wie die Eisbären bevorzugt und schnelle Spieler wie Felski in sein Konzept passen: Felski war beim Turnier einer der besten Spieler in einer sieglosen Mannschaft. „Wichtig war, dass wir vernünftiges Eishockey gespielt haben“, sagt er. „Die guten Ergebnisse werden noch kommen.“

Gute Ergebnisse will er auch mit den Eisbären. „Einmal will ich miterleben, wie wir den Meisterpokal durch die Gegend tragen.“ Chancen darauf hat er wohl nur noch mit den Berlinern. Früher war bei ihm einmal von einem Klubwechsel die Rede. Heute, mit 30 Jahren, nicht mehr. „Ich bin froh, dass ich in Berlin geblieben bin“, sagt er. „Hier bin ich mit dem Herzen dabei.“ In der DEL ist das durchaus keine Selbstverständlichkeit.

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