• Ex-Eisbären-Profi Stefan Ustorf im Interview: „Früher war ich Kollege, jetzt bin ich Chef“

Ex-Eisbären-Profi Stefan Ustorf im Interview : „Früher war ich Kollege, jetzt bin ich Chef“

Zwei Jahrzehnte als Profi, mit den Eisbären sechs Mal Deutscher Meister: Stefan Ustorf über seine neue Rolle als Sportlicher Leiter, die Entwicklung junger Spieler - und die Folgen einer langen Karriere.

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Eisbären-Legende: Stefan Ustorf ist vom Spieler zum Sportlichen Leiter beim Klub geworden.
Eisbären-Legende: Stefan Ustorf ist vom Spieler zum Sportlichen Leiter beim Klub geworden.Foto: dpa

Stefan Ustorf, fast nahtlos haben Sie nach 21 Jahren als Profi die Seiten gewechselt. Was bringt der Rollenwechsel zum Sportlichen Leiter der Eisbären mit sich?

Für mich ist das natürlich Neuland, ich habe da auch kein Geheimrezept. Ich gehe aber davon aus, dass, wenn du authentisch bleibst, löst sich so etwas auch von selbst. Als Sportler kannst du auf dem Eis Einfluss nehmen, das geht jetzt natürlich nicht mehr. Viele aktuelle Spieler sind ja nicht nur ehemalige Kollegen, sondern gute Freunde von mir. Man muss mit Sicherheit auch mal Entscheidungen treffen, die unpopulär sind.

Wie sieht das konkret im alltäglichen Umgang miteinander aus?

Früher war ich Kollege, jetzt bin ich Chef. Ich bin nicht mehr Teil der Mannschaft. Und wenn ich um die Ecke komme, wird sicher das ein oder andere Gespräch abrupt abgebrochen. Aber das ist auch richtig, es muss eine gewisse Distanz geben.

Was ist der Reiz der neuen Aufgabe? Sehen Sie sich aufgrund ihrer Popularität auch ein bisschen als Sprachrohr Ihres Klubs?

Das war ja auch schon als Spieler ein Teil meines Jobs. Sprachrohr? Das muss ich nicht unbedingt sein. Wichtiger ist, dass wir unsere Philosophie als Verein rüberbringen und auch belegen können, warum wir jetzt bestimmte Dinge so machen. Darin sehe ich meine Aufgabe. Zum Gesamterfolg der Eisbären müssen alle beitragen, das hängt nicht an Spielern oder Trainern.

Wie wichtig ist denn der sportliche Erfolg für die Eisbären?

Der ist natürlich wichtig, gerade in einer Stadt wie Berlin. Wir sind sieben Mal in neun Jahren Meister geworden, aber alle reden nur davon, wie schlecht wir in der letzten Saison gespielt haben.

Warum ist es denn in der vergangenen Saison nicht so gut gelaufen?

Das hat mit Sicherheit auch an den Verletzungen gelegen. Und vielleicht war das Feuer nach drei Meisterschaften in Folge nicht ganz so da in der Mannschaft. Wir schmeißen jetzt aber nicht alles um, sondern bleiben unserer Philosophie treu. Das sieht man daran, dass wir jetzt nicht die ganze Mannschaft ausgetauscht haben. Die hat sich das Vertrauen verdient und erarbeitet. Wir haben in diesem Jahr einen neuen Dauerkartenrekord aufgestellt. Das zeigt, dass auch die Fans weiterhin volles Vertrauen in unsere Arbeit haben und an die Spieler glauben.

Ihrem Klub wird vorgeworfen, zuletzt zu wenig für die Entwicklung junger Spieler gemacht zu haben. Wie sehen Sie das?

Das ist ein beliebtes Argument zu sagen, wir würden da nicht genug tun oder hätten die Entwicklung verschlafen. Wir hatten jetzt einfach über Jahre hinweg keine Notwendigkeit, jüngere Spieler einzubauen, weil unsere guten Spieler jung waren. Jetzt müssen wir schauen, wie wir unsere aktuellen Talente auch so weit bekommen, das sie irgendwann in der ersten oder zweiten Reihe spielen.

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