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Ex-Kapitän verlässt Union Berlin : Torsten Mattuschka flüchtet in die Lausitz

Torsten Mattuschka wechselt zu Energie Cottbus – am Montag wird Union Berlin den Wechsel wohl offiziell bekanntgeben. Einsatzchancen gab es für das Idol bei Trainer Norbert Düwel kaum. Dabei hatte der Klub noch andere Pläne mit seinem Ex-Kapitän.

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Halbe Treppe.
Halbe Treppe.Foto: Matthias Koch

Der Wechsel von Torsten Mattuschka vom 1. FC Union Berlin zum FC Energie Cottbus ist perfekt. Nach dpa-Informationen haben sich die beiden Vereine auf einen Wechsel des Mittelfeldspielers geeinigt. Am Montag soll der Transfer bei einer Pressekonferenz des Drittligisten Cottbus offiziell bestätigt werden. Bis dahin müssen noch die Unterschriften für den Vertrag eingeholt werden.

Wenn Mattuschka zuvor noch einen Beweis dafür benötigte, dass er als Spieler des 1. FC Union keine Zukunft besitzt, dann lieferte ihm Trainer Norbert Düwel diesen am Freitagabend. Gegen den 1. FC Nürnberg war etwas mehr als eine halbe Stunde gespielt, es lief nicht viel zusammen bei den Berlinern, und Düwel entschied sich, früh zu wechseln. Doch anstatt Mattuschka, den besten Torschützen und Vorlagengeber der vergangenen Saison zu bringen, schickte der Trainer Martin Kobylanski aufs Feld. Einen 20 Jahre alten Angreifer, der erst am Tag zuvor verpflichtet worden war und der nur eine Trainingseinheit mit der Mannschaft absolviert hatte. Später lobte Düwel seinen neuen Spieler überschwänglich, auch wenn dazu keinerlei Grund bestand. Kobylanski fehlte beim 0:4 gegen Nürnberg verständlicherweise jede Bindung zu den Mitspielern.

Mattuschka diskutierte nach dem Schlusspfiff noch angeregt mit Co-Trainer Sebastian Bönig, und es ist recht wahrscheinlich, dass sich die beiden in der Konstellation als Spieler und Trainer des 1. FC Union zum letzten Mal unterhielten. Der bald 34 Jahre alte Mittelfeldspieler kehrt nun zurück zu Energie Cottbus, jenem Klub, von dem er 2005 nach Berlin wechselte. „Wir sind uns mit dem Spieler einig. Nun ist Union am Zug“, sagte Energie-Manager Roland Benschneider noch am Samstag.

Union-Präsident Zingler: "Chance nicht verbauen"

Mattuschka besitzt eigentlich noch einen Vertrag bis zum Saisonende, Cottbus müsste also Ablöse zahlen, kann sich das aber nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga eigentlich nicht leisten. Trotzdem hatte Trainer Stefan Krämer zuletzt immer wieder betont, wie gern er Mattuschka in seinem Team hätte.

Derartige Wertschätzung erfuhr der Freistoßspezialist bei Union zuletzt nur durch Präsident Dirk Zingler. Der hatte in den letzten Wochen angedeutet, Mattuschka auch nach dessen Karriereende im Verein halten zu wollen, doch der ehemalige Kapitän sieht sich weiterhin als Spieler. Zwei Jahre will er mindestens noch aktiv sein. „Ich will ihm die Chance, die er in Cottbus hat, auch nicht verbauen“, sagte Zingler im Vereins-TV. „Nach meinen Informationen hat er ein Angebot über drei Jahre bekommen.“

Trainer Düwel setzt auf andere Spielertypen

Beim 1. FC Union hätte er die Chance trotz seiner Popularität bei den Fans dazu nicht mehr bekommen. Trainer Düwel ist fest entschlossen, den von ihm eingeleiteten personellen Umbruch vehement voranzutreiben, in seinen Planungen spielt Mattuschka keine Rolle. Düwel hält ihn für ungeeignet, das von ihm geforderte schnelle Umschaltspiel auf den Platz zu bringen. Er setzt auf einen anderen Spielertyp: jung, dynamisch, laufstark. Spieler wie die erst vor wenigen Tagen ausgeliehenen Maximilian Thiel und Martin Kobylanski. Oder der 23-jährige Stürmer Sebastian Polter, der ebenfalls auf Leihbasis für eine Saison von Mainz nach Berlin wechselt, wie der Klub am Samstag mitteilte.

Für eine Zusammenarbeit zwischen ihm und Düwel besteht ohnehin keine Basis mehr. Dafür gab es bisher zu viele Unstimmigkeiten. Zuerst entmachtete der Trainer den langjährigen Kapitän und bestimmte Damir Kreilach als neuen Spielführer. Fortan saß Mattuschka auf der Bank. Für seine Unmutsäußerungen über die Presse hatte Düwel wenig Verständnis. Seitdem haben sich die beiden kaum noch etwas zu sagen, Mattuschkas Abgang ist für den Spieler wie für den Trainer eine Befreiung. (mit dpa)

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