Ex-Unioner Christian Beeck : Ein Typ, der Funken schlägt

Sportdirektor Christian Beeck hat Energie Cottbus wieder aufgepäppelt – jetzt trifft er auf seinen ehemaligen Klub, bei dem er seine Karriere begann und 2011 unter Getöse gehen musste.

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"Der Rudi und ich wissen halt, wie Gras nach einem Spiel riechen muss." Sportdierektor Christian Beeck (l.) und Trainer Rudi Bommer haben Cottbus neue Energie gegeben.
"Der Rudi und ich wissen halt, wie Gras nach einem Spiel riechen muss." Sportdierektor Christian Beeck (l.) und Trainer Rudi...Foto: dapd

Die Favoritenrolle? Will er nicht haben. Christian Beeck schmunzelt und sagt: „Das geben die Zahlen gar nicht her. Wir haben 13 Millionen Etat, Union 18 Millionen. Die sind im Fußball-Osten die Nummer eins – was die Finanzen angeht.“ Ein kleiner Seitenhieb muss erlaubt sein. Denn als Zweiter der Zweiten Liga tritt der FC Energie Cottbus am Sonnabend beim 1. FC Union an. 17 Punkte, der beste Start der Klubgeschichte. Das genießt auch Sportdirektor Beeck. Der Ur-Unioner, der in seiner Jugend für die Eisernen spielte und ab 2005 dort sechs Jahre lang mehrere Ämter bekleidete – bis er im Mai 2011 als Manager gehen musste. Unter Getöse und Einsatz des Arbeitsgerichts. Nein, Beeck, dem sie nicht zugetraut hatten, mit Union den nächsten Schritt zu gehen, will gar nicht verhehlen, dass er mit „besonderen Gefühlen“ zurückkommt.

Aber nein, er reise nicht mehr mit Groll an, eher mit freudigem Bauchkribbeln. „Es gibt noch einige Leute, die ich gerne wiedersehe.“ Präsident Dirk Zingler und Trainer Uwe Neuhaus sind damit nicht gemeint. Mit ihnen hat er seit der abrupten Trennung, die Beeck als stillos empfunden hat, kein Wort mehr gewechselt. Aber auch ihnen werde er die Hand geben, „wenn es sich ergibt“, sagt er, „ich bin ja gut erzogen worden“.

Damit soll es dann aber auch genug sein mit Beeck und Union. Viel lieber spricht er über den runderneuerten FC Energie. Sieben Akteure mussten gehen, acht neue kamen. Als Beleg für guten Einkauf gilt Boubacar Sanogo. Fünf Tore hat der Ivorer erzielt. Der 29-Jährige, aber auch sein neuer Arbeitgeber, stemmen sich derzeit gegen den Ruf, ihre beste Zeit bereits hinter sich zu haben.

Ob in Kaiserslautern, Hamburg, Bremen, Hoffenheim, zuletzt auch in St. Etienne – meist begann Sanogo sehr stark, um dann ebenso stark nachzulassen. Das wussten sie auch in Cottbus, doch „wir spürten, dass er es allen noch einmal zeigen will“, sagt Beeck. Der Stürmer selbst sagt, Energie sei wohl seine letzte Chance. „Viele Leute haben schlecht über mich geredet, Herr Bommer hat mich trotzdem geholt. Dafür hat er meinen Respekt.“

Abgesehen davon ist das neue Cottbus ganz das alte. Die aktuelle Spielweise sei „die Art von Maloche, die uns stark macht“, sagt Beeck, der einst als eisenharter Verteidiger für Cottbus spielte. Nie aufgeben, kratzen, beißen. So, wie sie am Dienstag gegen Paderborn ein scheinbar verkorkstes Spiel doch noch gewannen. Energie, Beinahe-Absteiger im Mai, bleibt unbesiegt. Und streut sogar immer wieder eine Prise Spielkunst ein.

Die Väter des Erfolges? Beeck mag gar nicht bescheiden sein: „Der Rudi und ich wissen halt, wie Gras nach einem Spiel riechen muss: ein bisschen verbrannt. Wenn das Spiel Funken geschlagen hat, dann sind wir zufrieden.“ Rudi Bommer, eigentlich ein ruhiger Typ, hat sich schon anstecken lassen von Beecks emotionaler Art. „Es ist geil, den Jungs zuzuschauen“, sagt der Trainer. Er ist überzeugt, „da lebt wieder was. Vielleicht kann auch was Großes entstehen.“

Seit neun Monaten ist Bommer nun in der Lausitz. In den ersten Monaten wirkte der 55-Jährige noch erschöpft. „Der Abstiegskampf ging mir nahe.“ Der Klub beklagte am Ende ein Millionenloch im Etat und Zuschauerrückgang. Bommer musste mit wenig engagierten Spielern arbeiten, sieht man mal von ihrem Nachtleben ab. Dass er dennoch nicht aufgab, das rechnen sie ihm hoch an. Sein bis 2013 datierter Vertrag soll alsbald verlängert werden.

Und Beeck? Als das Ende bei Union besiegelt war, hat er nur eines bedauert: nicht früher schon von alleine gegangen zu sein. Nun wirkt er tiefenentspannt. „Die Arbeit hier macht Spaß“, sagt der 40-Jährige, „und wenn etwas so großen Spaß macht, dann kann man auch nicht genug davon kriegen.“

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