Sport : Exklusiv draußen

Fußball gilt als eines der wichtigsten Standbeine für Premiere – trotzdem setzte der Sender auf Risiko

Corinna Visser,Frank Bachner

Berlin - Georg Kofler, Chef des Abo-Senders Premiere, hat zu hoch gepokert: Kofler wollte mehr Exklusivität, jetzt ist sein Unternehmen bei der Vergabe der Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga leer ausgegangen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) vergab die Pay-TV- Rechte an ein Konsortium von Kabelnetzbetreibern. Damit hat Kofler sein Unternehmen in große Schwierigkeiten gebracht. Bislang hatte Premiere die Bundesliga-Spiele am Sonnabendnachmittag live übertragen. Kofler sagte auf einer Telefonkonferenz: „Mir ist schon klar, dass das dramatische Auswirkungen auf den Aktienkurs und den psychotherapeutischen Zustand mancher Leute hier im Hause hat.“ Der Sender-Chef zeigte sich trotzig: „Lieber keinen Deal als so einen Deal. Der hätte unser Wachstum gemindert.“

Kofler hatte alles auf eine Karte gesetzt und im Bieterverfahren ein Spieltagsmodell angestrebt, bei dem die Verwertung im frei empfangbaren Fernsehen auch sonnabends erst um 22 Uhr beginnt. Dafür hat Premiere nach Aussage Koflers ein Gebot „nördlich von 300 Millionen Euro pro Saison“ abgegeben. Nach Informationen des Tagesspiegels waren es 450 Millionen Euro.

„Das war Harakiri“, sagte ein Branchenbeobachter. „Ich glaube nicht, dass Herr Kofler sich jetzt noch in die Räume seiner Aktionäre traut.“ Der Vorwurf lautet: Er hätte wissen müssen, dass die DFL keine Lösung zulässt, bei der die Sportschau auf einen Sendeplatz nach 22 Uhr verbannt wird. Nach Informationen des Tagesspiegels haben am Dienstagabend sogar noch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und auch Karl-Heinz Rummenigge, Chef des FC Bayern München, versucht, Kofler umzustimmen. Um Mitternacht telefonierte Rummenigge mit Kofler und sagte ihm, wenn er bei der starren Haltung bleibe, dann werde er leer ausgehen.

Die Mitarbeiter, so hieß es aus der Belegschaft, reagierten schockiert und nervös, denn sie müssen um ihre Arbeitsplätze fürchten. Kofler sagte, „an unserem Geschäftsmodell ändert sich nichts“. Premiere werde nach wie vor erfolgreich sein, „nur nicht mehr so schnell“.

An der Börse löste die Entscheidung der DFL heftige Reaktionen aus. Die Aktie von Premiere verlor zeitweise 47 Prozent ihres Wertes. Damit „verbrannten“ binnen weniger Minuten rund 800 Millionen Euro an Marktkapitalisierung. Zum Handelsschluss hatte die Premiere-Aktie, die mit 23 Euro in den Tag gestartet war, noch einen Wert von knapp 13,62 Euro.

Dabei hatte Premiere es gerade geschafft. 2003 stand der Sender noch vor dem Abgrund, mit seinen Milliardenverlusten trug er zum Einsturz des Imperiums von Medienunternehmer Leo Kirch bei. Kofler sanierte den Sender und legte im März dieses Jahres mit der Premiere AG den bisher größten Börsengang der deutschen Mediengeschichte hin. Ende September hatte Premiere mehr als 3,4 Millionen Abonnenten.

Kofler versuchte am Mittwoch, Optimismus zu verbreiten: Das Ziel von 3,5 bis 3,6 Millionen Abonnenten bis zum Jahresende 2005 werde Premiere sicher erreichen. Ein Sonderkündigungsrecht in den nächsten acht Monaten werde es nicht geben, sagte er. Bis zum Ende der Saison 2005/06 wird Premiere sein Bundesliga-Live-Angebot unverändert ausstrahlen. Erst danach will Premiere Preise und Angebote überarbeiten.

Nach Angaben Koflers hat das Premiere-Sport-Abo 400 000 Kunden. In das neue Fußball-live-Paket seien 100 000 Kunden gewechselt. „Es gibt keine Auswertung, wie viele Kunden uns nur wegen der Bundesliga gebucht haben“, sagte Kofler. Bei der Nutzung aber mache die Bundesliga nur zehn Prozent aus.

Auch wenn Fußball nicht alles ist: „Egal, wo man in Europa hinschaut: Pay-TV hat seinen Siegeszug immer in Verbindung mit Fußball angetreten“, sagt ein Branchenexperte. Doch dass Premiere nun die Bundesliga-Rechte nicht mehr habe, „das ist keine Katastrophe“, sagt Sonia Rabussier, Analystin bei Sal. Oppenheim. Dennoch reduzierte die Analystin den fairen Wert der Aktie von 31 Euro mit Bundesliga auf 17 Euro ohne.

Bernd Hoffmann, Vorstandschef des Hamburger SV, sagte: „Ich bin überzeugt davon, dass Premiere auch in den nächsten Jahren eine bedeutsame Rolle im Fußball spielen wird. Premiere hat die Fußball-WM 2006 und überträgt die Champions-League-Spiele.“

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