Exklusiv-Interview : Marko Pantelic: „Ich bin hier nicht irgendein Fußballer“

Marko Pantelic könnte am Donnerstag zum letzten Mal für Hertha auflaufen – dabei will er in Berlin bleiben. Ein Exklusiv-Interview mit Berlins Fußballstar.

Hertha
Abschiedsfeier? Marko Pantelic.Foto: dpa

Herr Pantelic, sind Sie erkältet?



Ach, das geht schon. Ich war ziemlich krank im Spiel gegen Karlsruhe, aber ich habe mich durchgekämpft. Mittlerweile ist es schon besser.

Werden Sie im Uefa-Cup-Spiel gegen Olympiakos Piräus spielen?

Ich werde alles geben, was ich habe. So wie immer.

Sie haben eine kurze Weile in Griechenland gespielt und kennen die Art von Fußball, die dort gespielt wird. Was erwartet Hertha BSC in Piräus?

Auf jeden Fall liegt Feuer in der Luft. Es geht hitzig zu in Griechenland. Aber wir haben keine Angst. Die werden Angst vor uns haben, wenn wir es schaffen, den Rhythmus des Spiels zu diktieren. Wir müssen dominant auftreten und am besten früh in Führung gehen, dann bekommen die einen fürchterlichen Druck. Ich kann unseren Fans jetzt schon versprechen: Es wird spektakulär.

In der letzten Zeit wirkte es so, als seien Sie und die Fans sich sehr nahe gekommen. Sie wurden selbst dann frenetisch gefeiert, wenn Sie auf der Auswechselbank saßen. Nach dem Spiel am Samstag wurden Sie abermals mit Sprechchören bedacht. Es sah fast so aus, als hätten Sie Tränen in den Augen gehabt. Waren das Tränen des Abschieds?

Für die Antwort auf diese Frage möchte ich ein bisschen weiter zurückgehen. Als ich im September 2005 zu Hertha gekommen bin, hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Und dann ging es ja auch stetig aufwärts, Schritt für Schritt. Mein erstes Spiel gegen Wolfsburg, mein erstes Tor, mein erstes Jahr. Es hat ungefähr acht Monate gedauert, dann haben die Menschen hier gemerkt, dass ich alles für diesen Verein gebe. Sie haben mich zuerst ein bisschen unterstützt, dann etwas mehr und schließlich haben sie mich als einen der ihren akzeptiert. Und das mit Liebe. Ich möchte das betonen: Sie haben mich in ihr Herz geschlossen. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und deshalb bedeutet mir das sehr viel.

Und die Tränen am Samstag?

Ich glaube nicht, dass das Abschiedstränen waren. Ich bin fast sicher, dass ich bei Hertha bleibe, auf jeden Fall noch bis zum Ende meines Vertrages im Sommer. Es war nach dem Spiel gegen Karlsruhe vielmehr so, dass ich die Fans sehen konnte, als sie meinen Namen gerufen haben. Ich habe so nah an der Tribüne gestanden, dass ich in ihre Gesichter blicken konnte. Da war so viel Leidenschaft, sie haben meinen Namen mit Liebe gerufen. Das hat mich tief berührt.

Haben Sie so etwas in Ihrer Karriere schon einmal erlebt?

Bei Roter Stern Belgrad vielleicht. Dort bin ich groß geworden, das ist ebenfalls eine besondere Sache. Aber im Ausland nie. Dieser enge Kontakt zwischen mir und den Fans ist außergewöhnlich. Wenn ich morgens meine Brötchen beim Bäcker hole, dann lächelt der Verkäufer mich an: „Hallo, Herr Pantelic.“ Ich bin in dieser Stadt nicht mehr irgendein Fußballer. Die Leute kennen und mögen mich tatsächlich. Deshalb probiere ich in jedem Moment, in jeder Sekunde eines Spiels etwas zurückzugeben.

Sie beschreiben Ihr Verhältnis zu Hertha BSC als überaus positiv. Weshalb bleiben Sie denn nicht noch über den Sommer hinaus?

Es wird eine sehr schwierige Entscheidung. Alles kann passieren. Wenn wir uns nicht einigen können über die Länge des Vertrages oder die Bezüge oder über sonst irgendetwas, dann wird es kompliziert. Und plötzlich muss ich gehen. Dann würde das allen wehtun. Das sollte nicht zu schnell gehen. Deshalb ist es am besten, wenn ich noch bis zum Sommer bleibe und wir vorher schon verhandeln. Sollten die Verhandlungen dann scheitern, hätten wir wenigstens noch Zeit, um uns voneinander zu verabschieden, die Menschen hier und ich.

Was würden Sie tun, wenn Hertha zu Ihnen kommen und Ihnen mitteilen würde, dass Sie verkauft werden sollen? Schließlich bekommt der Verein nur noch in der Winterpause eine Ablösesumme für Sie.

Der Verein müsste schon viel Mut aufbringen, um vor die Fans zu treten und zu sagen, dass ihr Lieblingsspieler der letzten drei Jahre plötzlich nicht mehr da sein wird. So leicht geht das nicht. Außerdem müssten sich der Spieler und sein neuer Klub ja auch noch einig werden.

Ihr Verhältnis zu Trainer Lucien Favre gilt als schwierig. Woran liegt das?

Wie ich schon erwähnt habe: Ich bin ein emotionaler Typ. Man kann sich das wie mit einem Glas vorstellen, in das immer mehr Flüssigkeit gefüllt wird. Irgendwann ist es voll, danach schäumt es über, die Emotionen müssen raus. Das ist mir halt passiert. Aber das wäre ja gar nicht so schlimm, wenn Hertha nicht der Verein der deutschen Hauptstadt wäre, mit beinahe zwanzig Journalisten am Trainingsplatz, die alles wissen wollen. Die fragen den Trainer dann jeden Tag: Was ist mit Marko Pantelic? Was ist mit Marko Pantelic? Natürlich hatte der Trainer davon irgendwann die Nase voll und er hat eine gewisse Distanz zu Marko Pantelic aufgebaut. Umgekehrt wäre es doch genauso: Wenn ich jeden Tag nach Lucien Favre gefragt werden würde, dann wäre mir das auch irgendwann zu bunt. Ich kann den Trainer verstehen. Der Druck ist hoch. Wir müssen eben probieren, damit umzugehen – so gut es geht.

Ist diese Geschichte also einfach etwas unglücklich gelaufen?

Warum denn unglücklich? Wir sind Dritter, es könnte kaum besser gehen. Ich glaube, dass die Mannschaft intakt ist und auch ich bin zufrieden.

Anders gefragt: Kann sich Ihr Verhältnis zum Trainer noch ins Positive wenden?

Ja, warum nicht? Aber das braucht Zeit – und die entsprechenden Resultate.

Wenn Sie die Zeit um ein oder zwei Jahre zurückdrehen könnten, würden Sie dann etwas anders machen?

Nein. Ich bleibe der, der ich bin. Ich weiß, dass ich immer mein Maximum gegeben habe.

Herr Pantelic, zum Abschluss eine persönliche Frage, abseits des Fußballs. Was macht Sie glücklich?

(Überlegt) Also, wenn ich meine Familie bei mir habe, meine Frau, meine Tochter, meine Freunde. Wenn ich in meiner Heimatstadt bin, wenn also alles gut läuft. Wenn ich dann etwas Zeit habe und wirklich alle glücklich sind und niemandem etwas fehlt. Was tue ich dann? Ich gehe zum Fußball!

Das Gespräch führte Ingo Schmidt-Tychsen.

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