Sport : Expansion auf dem Eis

Die DEL startet heute in ihre zwölfte Saison und hat die Probleme anderer Sportarten längst hinter sich

Claus Vetter

Berlin - Die Geburtsstunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war skurril. Im September 1994 warf der einstige kanadische Weltklassespieler Bobby Hull im zugigen Augsburger Curt-Frenzel-Eisstadion den Puck zum ersten Bully der neuen Liga ein. Es war der Anfang der DEL, die nach dem Vorbild der professionellsten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, arbeiten wollte. Ein Gedanke, der seinerzeit gerade im Augsburger Stadion absurd wirkte, das an den Seiten offen ist.

Elf Jahre später steht es um die DEL ganz anders. In vielerlei Hinsicht hat die Liga im deutschen Sport unterhalb des Fußballs eine Vorreiterrolle – auch durch ihre Arenen. 1994 hatte Augsburg das drittgrößte Stadion, in der heute beginnenden Saison gehört das Curt-Frenzel-Stadion zu den Auslaufmodellen der DEL. Am Donnerstag öffnet mit der Mannheimer SAP-Arena bereits die siebte moderne Mehrzweckhalle seit Gründung der DEL: Das Spiel zum Saisonstart zwischen den Adlern und der Düsseldorfer EG werden fast 14000 Zuschauer sehen.

Die Großarenen lohnen sich für die Klubs: Sie bescheren ihnen mehr Zuschauer, mehr Aufmerksamkeit und mehr Sponsoren. Wer da nicht mitzieht, muss die Liga verlassen – wie der EHC Wolfsburg, der der DEL zwar eine neue Halle versprach, mehr aber auch nicht: Den Niedersachsen wurde die Lizenz entzogen. Aufgrund des kleinen Wolfsburger Stadions stieg der Besucherschnitt in der DEL in der vergangenen Saison nicht, sondern stagnierte bei 5600 pro Partie. Dafür rechnet DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke in dieser Saison mit einem Zuschauerrekord. „Mannheim hat die Kapazitäten verdoppelt. Hamburg und Hannover haben mehr Dauerkarten als je zuvor verkauft.“ Zum Glück für die DEL, denn um die Hannover Scorpions und ihre moderne Tui-Arena haben sie gezittert, die Scorpions sind zweimal fast abgestiegen. Damit das Bangen um attraktive Mitglieder ein Ende hat, beschloss die Liga, von 2006/2007 an den Abstieg wieder abzuschaffen. „Die Klubs brauchen für ihre Hallenprojekte Planungssicherheit“, sagt Tripcke. Wirtschaftlichkeit geht vor Sportlichkeit, was sich zu lohnen scheint. Der Gesamtetat der DEL übersteigt diese Saison erstmals die 70-Millionen-Euro-Marke.

Mitunter eifern andere Sportarten der DEL nach: Die Handball-Bundesliga wagt sich allmählich in die Großarenen. Einen anderen Prozess, den die DEL hinter sich hat, macht der Handball momentan noch durch. Bundestrainer Heiner Brand beklagt sich darüber, dass zu wenig Deutsche in der Bundesliga spielten, weil es keine Beschränkung für ausländische Spieler gibt – so wie früher in der DEL, die nach dem Bosman-Urteil 1997 als erste Liga alle Grenzen öffnete. Selbst Nationalspieler hatten es damals schwer, einen Klub zu finden – eine Erfahrung, die deutsche Basketballspieler in der Bundesliga zurzeit machen. In der DEL ist das kein Thema mehr, als erste Liga hat sie wieder eine Ausländerbeschränkung eingeführt. Zwei Drittel ihrer Spieler kommen inzwischen aus Deutschland.

Auch in anderen Prozessen ist die DEL Vordenker. Schon seit Gründung firmieren ihre Mitglieder als GmbH – ein Schritt, den Basketball-Spitzenklub Alba Berlin jetzt erst gegangen ist. Auch gibt es in der Liga keine Kleinstädte mehr. Eine 10000-Einwohner-Stadt wie Quakenbrück im Basketball würde in der DEL keine Lizenz bekommen. Selbst Iserlohn ist als kleinste Stadt der DEL mit 100000 Einwohnern noch eine Großstadt. Und trotzdem: Klubs wie Iserlohn oder selbst Meister Eisbären Berlin, bei dem seit Jahren von einer Großarena nur geredet wird, könnten angesichts ihrer alten, kleinen Hallen einmal Probleme mit der DEL bekommen – dann, wenn es 16 Großarenen in Deutschland gibt.

Sportlich will die DEL den Aufstieg abschaffen, wirtschaftlich aber nicht: Zwei Klubs will die Liga in den kommenden Jahren noch aufnehmen – Voraussetzung ist eine moderne Arena. Und die sieht anders aus als das Augsburger Curt-Frenzel-Stadion, das übrigens nach der Eröffnung der neuen Düsseldorfer Arena im kommenden Jahr das letzte an den Seiten offene Stadion in der DEL sein wird.

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