Sport : Expansion nach Schweden

Robert Ide

Wenn Horst Klinkmann grundsätzlich wird, legt er seine Brille zur Seite. Der Chef des Aufsichtsrates des FC Hansa Rostock stützt einen Arm auf den Tisch, winkelt ihn an und legt den Kopf auf die Hand. "Wissen Sie", beginnt er leise, "Fußball ist für mich immer noch ein Spiel." Pause. "Wir wollen doch Spaß haben, oder?"

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Horst Klinkmann vermisst bei Hansa die gute Laune. Bei Heimspielen schaut er oft von seiner Loge hinunter auf den Rasen und kommentiert die Angriffsbemühungen seiner Mannschaft so: "Das wird wieder ein Unentschieden." Eigentlich wollte er so etwas nicht mehr sehen. Jetzt, da Hansa ein neues Stadion hat. Und einen neuen Trainer.

Bei Hansa sollte in dieser Saison alles anders werden. Nach sieben Jahren Fußball-Bundesliga sollte endlich Schluss sein mit dem Gebolze gegen den Abstieg. Doch der alte Trainer Friedhelm Funkel ließ die Spieler weiter rennen und grätschen. Deshalb musste Funkel gehen, und es kam Armin Veh, ein junger Ästhet aus Liga zwei.

"Der Rasen hier ist eine Katastrophe", mäkelte Veh gleich bei seiner Heimpremiere im Ostseestadion. Dabei schüttelte er in seiner Hand eine Wasserflasche, als sei sie ein unkontrolliert umherhoppelnder Fußball. Veh hat Ansprüche. "Spielerisch und taktisch muss sich vieles ändern", sagt er und zupft sich einen Fussel vom Jackett. Immerhin ist mit ihm der Erfolg zurückgekehrt. Die ersten Heimspiele gegen St. Pauli und Freiburg gewann Hansa. Klinkmann hat das registriert. Doch nun soll es weitergehen. Nicht nur mit einem Sieg am Sonntag bei Energie Cottbus (17 Uhr 30, Stadion der Freundschaft), sondern auch mit einem neuen Image.

Hansa? Image? "Wir haben keins", sagt Klinkmann. Warum? "Weil wir in der Öffentlichkeit nicht aggressiv sind." Klinkmann hat ein neues Marketingkonzept vom Vorstand ausarbeiten lassen. Es will mehr Transparenz, mehr Eventkultur, mehr Ausstrahlung über Mecklenburg-Vorpommern hinaus. "Wir müssen Fans aus Schweden anlocken", sagt Klinkmann. Künftig soll es Tagesreisen aus Schweden zu Hansa geben - in Zusammenarbeit mit Fährlinien. Und schwedische Fantrikots der Hansa-Spieler. Und ein Internetangebot auf Schwedisch.

Hansa hat sich in der Bundesliga fest etabliert. Der Verein hat das neue Ostseestadion gebaut, bald sollen hier große Konzerte und neue, doppelt so große Werbebanden für Einnahmen sorgen. Im März spielt hier die Nationalmannschaft gegen die USA. In Rostock gibt es eine schicke Geschäftsstelle und ein modernes Fußball-Internat. Nun wird auch die Presseabteilung ausgebaut. In Cottbus sieht das anders aus: da ist die Geschäftsstelle ein Container. Und die Fans benehmen sich manchmal so sehr daneben wie die Hansa-Anhänger früher. Auf Abstiegskampf-Niveau. "Wir laufen langfristig auf eine Zweiteilung der Bundesliga hinaus", philosophiert der ehemalige Hansa-Präsident Eckhardt Rehberg gerne auf der Tribüne des Ostseestadions, "wir wollen nicht in der unteren Hälfte mitmachen." Hansa Rostock scheint auf gutem Wege. Selbst wenn die Mannschaft in Cottbus verlieren sollte. Für Cottbus ist das Duell der beiden Ostvereine wichtiger. Überlebenswichtig.

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