Experten-Kolumne : Marcel Reif: Die Türken nerven

Warum? Das verrät Marcel Reif hier. Er hat allerdings großen, sehr großen Respekt vor dem deutschen Gegner - wie auch vor den Russen.

Marcel Reif
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Der Fernsehreporter. Marcel Reif kommentiert für uns die Bundesliga.Foto: Premiere

Sie sind so schnell die Russen, so unglaublich schnell, das erinnert an das Spiel der Südkoreaner bei der WM 2002, das ist ebenso aufwendig, ebenso intensiv, und auch damals hieß deren Trainer Guus Hiddink. Doch, ich verbeuge mich vor diesem Trainer, der mit Ajax klar gekommen ist, mit Real, der den Australiern erfolgreiches Fußballspiel beigebracht hat, den Südkoreanern auch und nun eben den Russen. Mit dem Unterschied, dass die nicht nur flitzen können, sondern auch technisch hochbegabt sind, robust und voller Lust und Leidenschaft.

Das war kein Sieg aus Zufall, kein glücklicher Umstand, weil den Holländern erstaunlicherweise die Knie schlotterten, einschließlich ihres Trainers Marco van Basten, der aus purer Angst auf Arjen Robben verzichtete, das war ein Sieg des Willens und des Könnens. Man kann das von den Türken nicht wirklich behaupten, das mit dem Können.

Was man aber behaupten kann, die gehen einem auf die Nerven, weil sie einfach nicht begreifen wollen, wenn sie tot sind. Die waren einmal tot gegen die Schweiz, die waren mausetot gegen die Tschechen und gegen die Kroaten waren sie schon zwei Meter unter der Erde. Trainer sagen in solchen Situationen gerne, dass man nur daran glauben müsse, dann ginge schon noch etwas, die Türken aber glauben gar nichts, die wissen, das was geht. Und nun erobern sie Europa, obwohl sie dort gar nicht zugelassen sind. Dabei sind sie fußballerisch nicht wirklich gut, es fehlt ihnen die halbe Mannschaft – und was kann man gegen sie machen?

Man kann sie nur besiegen, einfach nur besiegen, nicht mit einem Tor in den letzten zehn Sekunden des Spiels, sondern besser mit zweien, noch besser mit dreien. Erst wenn das letzte Gegentor gefallen ist, erst wenn der Schiedsrichter wirklich abgepfiffen hat, erst wenn sie wirklich im Kabinengang verschwunden sind, werden sie akzeptieren, verloren zu haben. Das müssen die Deutschen am Mittwoch kapieren, denn nüchtern betrachtet haben die Türken keine Chance auf den Finaleinzug, weil Löws Männer sich gesteigert haben, wie ich es ihnen nicht mehr zugetraut hätte. Nüchtern betrachtet. Allein, die Türken sind selber nicht nüchtern und schon mal gar nicht nüchtern zu betrachten. Erst wenn abgepfiffen ist. Der Schiri sollte laut pfeifen.

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