Experten-Kolumne : Mirko Slomka: Platt und trotzdem Favorit

Mirko Slomka glaubt an Deutschland. Auch gegen Portugal. Der erfahrene Trainer merkt den Spielern die Strapazen aber an.

Slomka
Der Trainer. Bis April war Slomka Coach des FC Schalke 04.Foto: promo

Eine wichtige Erkenntnis lässt sich schon vor dem Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal ziehen: Die Beschwerden über die hohe internationale Belastung, die einige Spieler haben, ist Unsinn. Denn wie sollte dieses Klagen als Erklärung dafür herhalten, dass ein Spieler wie Cristiano Ronaldo, der so viele Spiele auf hohem internationalen Niveau gemacht hat wie kaum ein Deutscher, noch fitter und agiler wirkt als einige deutsche Kicker. Spiele sind das beste Training. Und nicht alle unsere Spieler bringen dieses Spiel-Training mit, weil sie lange verletzt waren oder in ihren Vereinen nur auf der Bank saßen. Die Ausnahme: Lukas Podolski. Der spielte auch nicht regelmäßig und ist einer der Besten.

Ausschlaggebend für den Eindruck, dass einige Spieler platt  und ausgelaugt sind, ist aber nicht etwa eine zu hohe Trainingsbelastung. Da ist zum einen der psychische Druck. Nach den kleinen Schwächen im Polen-Spiel und vor allem nach der Niederlage gegen Kroatien lagert eine gehörige Belastung auf den Spielern, die hemmt und die Risikobereitschaft senkt. Zum anderen wirken sich die Reisestrapazen aus. Der Flug aus dem Mannschaftslager zu den Spielen, der Weg zum Hotel durch die Berge – das alles ist belastend. Trotzdem überwiegen die positiven Seiten des Quartiers, denn die Bedingungen vor Ort sind perfekt. Es kommt darauf an, gut zu regenerieren mit viel Schlaf und viel Bewegung direkt nach den Flügen.

Die Komponente Druck ist jetzt erstmal weg. Und die Reise nach Basel ist weniger strapaziös als nach Klagenfurt. Für mich bleibt Deutschland auch gegen Portugal Favorit. Um dieser Rolle gerecht zu werden, müssen sie aber deutlich früher, schon im gegnerischen Strafraum, Pressing spielen als bisher. Dafür braucht man denkende und defensivstarke Mittelfeldspieler, eine gute Kondition und Vertrauen – in sich und seine Mitspieler.

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