Sport : Extraschichten vor dem Faxgerät

Tag für Tag werden Hertha neue Spieler angeboten – im Dutzend

Michael Rosentritt

Berlin. „Sagen Sie mir, wer diese drei Spieler sind“, sagt Hans Meyer in sein Handy. Am anderen Ende ist ein Spielervermittler, der Herthas Trainer ein paar Fußballprofis unterjubeln will. Meyer kennt dieses Spiel seit Tagen, schließlich soll er Hertha BSC vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bewahren. Nach dem Ärger um Nationalspieler Fredi Bobic, der Sperre von Nando Rafael sowie den Ausfällen von Artur Wichniarek und Luizao sucht Hertha einen starken Stürmer. Aber den gibt es nicht mal eben so. Also macht Meyer sich einen Spaß mit dem aufdringlichen Herrn am Telefon: „Faxen Sie Ihre Spieler mal dem Dieter. Wahrscheinlich haben Sie nur exzellente Spieler, die alle nichts verdienen wollen. Na prima.“ Meyer beendet das Gespräch und seufzt: „So geht das zwölf Mal am Tag.“

Dieter Hoeneß könnte derzeit Extraschichten am Faxgerät schieben. Als Manager von Hertha BSC ist er in der Hauptsache für die personellen Angelegenheiten des Klubs zuständig. Die jüngsten Entwicklungen im offensiven Bereich bei Hertha haben im Berufsstand der Spielervermittler rege Betriebsamkeit hervorgerufen. Die Vermittler werden schon deshalb aktiv, da sie in aller Regel nur dann Geld verdienen, wenn sie einen ihrer Klienten transferieren. Auch in dieser Branche gibt es große Unterschiede. „Meine Spieler sind alle unter Vertrag“, sagt Jörg Neubauer. Der Spielerberater zählt zu den Größen seines Fachs. Unter anderen berät er die Nationalspieler Christoph Metzelder (Dortmund) und Arne Friedrich (Hertha).

„Vieles, was mir auf den Tisch kommt, geht fast ungesehen in die große Ablage“, sagt Hoeneß. Zum Beispiel Angebote von Spielern, die dem sportlichen Anforderungsprofil nicht entsprechen oder aber von ihrer Spielposition her gar nicht in Frage kommen. Hellhörig wird der Manager nur dann, wenn es sich um einen interessanten Spieler handelt, „der sportlich passen könnte, nur dann fragt man schon mal genauer nach“. Ganz ungeduldige Vermittler wenden sich mit ihren Anliegen gleich an bestimmte Zeitungen, um den Namen eines ihrer Klienten ins Gespräch zu bringen. „Da werden mitunter Namen von Spielern gehandelt, die entweder selbst gar nichts davon wissen oder aber gar nicht auf dem Markt sind“, sagt Hoeneß und nennt als Beispiel den finnischen Stürmer Mikael Forssell. Da er in dieser Saison schon einmal gewechselt ist (vom FC Chelsea an Birmingham City ausgeliehen), verbieten die Fifa-Bestimmungen einen weiteren Transfer.

Im Winter einen wirklich guten Stürmer zu bekommen, setzt voraus, dass sich ein Verein von einem guten Stürmer trennt, was sehr unwahrscheinlich ist. „Gute Wintertransfers sind rar“, sagt Neubauer. Meist sei es so, dass „ein Not leidender Verein irgendetwas macht, um sich zu beruhigen.“ Diese Transfers sind meist nicht so gut vorbereitet wie die im Sommer. „Die Gefahr, daneben zu greifen, ist einfach höher“, sagt Neubauer.

Natürlich wird gerade wie jetzt bei Hertha viel Papier hin und her bewegt, aber es ist ganz schwierig, „einen Stürmer, der Erfolg herbringt und auch noch bezahlbar ist“, zu verpflichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuer Stürmer geholt wird, liegt für Hoeneß daher bei „unter 50 Prozent“.

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