Sport : Extremer Ehrgeiz

Mit Trainer Dirk Bauermann kam der Erfolg nach Bamberg

Benedikt Voigt

Berlin. Irgendwann im dritten Viertel beugte sich Dirk Bauermann zu seinem Sitznachbarn Achim Kuczmann und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Als Trainer kommuniziert er normalerweise in Basketball-Hallen im Befehlston, doch diesmal war er lediglich Zuschauer in der Wilhelm-Dopatka–Halle beim vierten Play-off-Spiel zwischen Bayer Leverkusen und Alba Berlin. Es war nicht zu verstehen, was Bauermann sagte, doch aus seiner Miene ließ sich schließen, dass es etwas war wie: „Die Sache ist gelaufen.“

Seit Sonntag ist klar: Es wird wieder zum Play-off-Duell zwischen Alba Berlin und GHP Bamberg kommen. Weil Alba die Viertelfinalserie gegen Leverkusen 3:1 gewann, wird am Freitag (19.15 Uhr, live im DSF) Trainer Dirk Bauermann mit Bamberg zum ersten Halbfinalspiel nach dem Modus Best of five in der Max-Schmeling-Halle antreten. Im vergangenen Jahr gewannen die Berliner dieses Duell im Finale um die deutsche Meisterschaft klar mit 3:0. „Ich glaube, dass es diesmal eine extrem spannende Serie wird, die vielleicht erst im fünften Spiel entschieden wird“, sagt Wolfgang Heyder, Geschäftsführer von GHP Bamberg.

Es hat sich einiges geändert in dieser Saison in Bamberg. „Im letzten Jahr sind wir gegen Alba Berlin mit sechseinhalb Spielern angetreten, in diesem Jahr spielen wir eine Rotation mit acht Spielern“, erklärt Heyder. Neu ist der niederländische Centerspieler Mike Nahar. In der regulären Saison, die Bamberg in der Hauptrunde auf Rang fünf beendete, gewann jeder Klub jeweils sein Heimspiel. Bamberg kann als einziges Team der Basketball-Bundesliga einen ebenbürtigen Gegenspieler für den Berliner Centerspieler Jovo Stanojevic aufbieten. Der 2,09 Meter große US-Amerikaner Chris Ensminger streitet mit dem Berliner um den inoffiziellen Titel als bester Centerspieler der Liga. Auf der Aufbauposition jedoch dürften die Berliner einen Vorteil besitzen. Für Bamberg spielen der 22-jährige Nationalspieler Steffen Hamann und der 40-jährige Derrick Taylor. Der Oldie soll in der kommenden Saison ins Bamberger Trainerteam wechseln. „Taylor hat eine durchwachsene Saison gespielt“, sagt Heyder, „aber in der Play-off-Serie gegen Oldenburg spielte er überragend.“ Beim 3:0 über den Tabellenvierten Oldenburg erzielte Taylor durchschnittlich 17 Punkte.

Die wichtigste Figur in Bamberg ist jedoch Trainer Dirk Bauermann. „Er ist ein Workaholic“, sagt Heyder. Seit Bauermann Bamberg trainiert, kehrt der Erfolg in die Stadt zurück. „Er hat viele Dinge in Richtung Professionalisierung angeschoben.“ Was den Geschäftsführer am meisten beeindruckt, ist Bauermanns Engagement für den Verein. „Er steht auch für Marketing-Maßnahmen hundertprozentig zur Verfügung“, sagt Heyder. Gelegentlich referiert der Trainer bei Managerseminaren. „Andere Trainer waren nicht so aufgeschlossen“, sagt Heyder. Vielleicht auch wegen dieser Aktivitäten wuchs der Sponsorenpool, der nun einen Etat von 2,6 Millionen Euro finanziert. Alba stehen rund zwei Millionen Euro mehr zur Verfügung.

Neu ist in dieser Saison, dass Bauermann auch als deutscher Nationaltrainer fungiert. Die Berliner Nationalspieler Stefano Garris, Marko Pesic und Mithat Demirel könnte das motivieren, sich in der Serie gegen den neuen Trainer gut zu präsentieren. Heyder glaubt das nicht. „Die sind doch grundsätzlich extrem ehrgeizig, da ist doch keine Steigerung möglich.“ Extremer Ehrgeiz ist aber auch Bauermann zu Eigen. Die Doppelrolle Verein und Nationalteam wird er mindestens noch eine weitere Saison innehaben. Der Verein möchte den Vertrag über 2005 hinaus verlängern. „Er ist ...“, sagt der Geschäftsführer, „einer der besten Trainer in Deutschland.“ Eigentlich hatte er sagen wollen: der beste. Aber wahrscheinlich wollte er dem Duell mit Albas Trainer Emir Mutapcic nicht noch mehr Brisanz geben.

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