Extremsport : In 365 Tagen um die Welt

Erdumrundung im Laufschritt: Der Berliner Extremsportler Michael Caspar will im Jahr 2008 um die Welt laufen.

Berlin - In 80 Tagen um die Welt zu reisen - das schien zu Zeiten von Jules Verne eine Mission mit wenig Aussicht auf Erfolg. Heutzutage ist eine Erdumrundung in 80 Tagen kein Problem. Erst recht nicht in 365 Tagen. Doch zu Fuß? Der 37 Jahre alte Berliner Marathon-Läufer Michael Caspar will genau das beweisen.

2008 will er durch Afrika, Asien und Europa joggen. Sechs Tage die Woche will er laufen, einen Doppel-Marathon pro Tag. Der siebte Tag ist zur Regeneration gedacht. "Da gibt es ein leichtes Training, wie etwa eine 20-Kilometer-Wanderung zur Muskelentspannung", sagt Caspar mit einem Lächeln, als ob dieser Rekordlauf ein Zuckerschlecken wäre. Dabei stand er als Kind mit dem Laufen regelrecht auf Kriegsfuß. "Mein Vater hat mich auf den Sportplatz gescheucht, weil ich stark übergewichtig war - außerdem musste ich zum Kindergarten joggen, während er mit dem Rad neben mir herfuhr", erinnert er sich heute. Dann kam der Berlin-Marathon im Jahr 2000, den er beeindruckt und mit Gänsehaut am Fernseher verfolgte. "Damals steckte ich in einer Lebenskrise, hatte gesundheitliche Probleme und wollte mein Leben ändern", beschreibt er den Punkt, an dem es für ihn mit dem Laufen seinen Anfang nahm. Sein erster Zehn-Kilometer-Lauf zu Silvester am Teufelsberg im selben Jahr bescherte das erste Erfolgserlebnis. Caspar: "Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl - das wollte ich von da ab immer haben."

Planung des Weltlaufs

Inzwischen hat er die härtesten Cross- und Bergläufe wie den Schweizer Jungfraumarathon und den Rennsteiglauf überstanden und ist als erfolgreichster deutscher Teilnehmer 2005 beim 250 Kilometer langen "Marathon des Sables" durch die Sahara-Wüste in Marokko gejoggt - mit einem Zwölf-Kilo-Rucksack auf dem Rücken. Nach dieser Tortur nahm die Idee vom Weltlauf Gestalt an. "Da wusste ich, dass ich das packen kann", sagte Caspar.

Bislang hat dies noch niemand bewältigt. Doch es gibt den Österreicher Manfred Michlits, der dieselbe Distanz am 1. Januar 2007 angehen will. Während Michlits um die Welt rennt, will Caspar Schritt für Schritt seine Laufroute und sein Team organisieren. Kosten bis zu einer Million Euro veranschlagt der gelernte Finanzberater für das Projekt. Derzeit ist er auf Sponsorensuche und will auch eine Spendenorganisation finden, denn mit seinem Extremlauf möchte er Kinder in Not unterstützen.

Brandenburger Tor als Start und Ziel

Seine Route soll ihn durch Europa, Russland, entlang der chinesischen Seidenstraße, durch Japan und Australien, Nordamerika, Nordafrika und wieder zurück nach Berlin führen. Sein Traum: "Das Brandenburger Tor als Start- und Endpunkt." Eine Crew, darunter ein Masseur- und Physiotherapeut, wird ihn in einem Auto und auf einem Fahrrad begleiten.

Die Möglichkeit, unterwegs scheitern zu können, kalkuliert er nur am Rande ein. "Erfolge setzen gute Vorbereitung voraus und Spitzenleistungen sind nur zu schaffen, wenn man entspannt und mit Freude an die Sache geht", sei sein Rezept. Wie bei vielen anderen Sportarten könnten Siege nur errungen werden, wenn die mentale Einstellung stimmt. "Der Körper ist nur müde, wenn der Geist es ist", betont Caspar, für den das Laufen "zur Meditation mit Bewegung" geworden sei. Der beste Beweis dafür sei der Wüstenmarathon gewesen. Caspar: "Ich habe mir immer wieder gesagt: Ich bin entspannt und federleicht. Und ich bin selbst im dicken Wüstensand einigen davongelaufen." (Von Beatrice George, ddp)

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