Sport : Exzentrik auf dem Flügel

Arjen Robben verlängert seinen Vertrag in München.

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Arjen Robben war prächtig gelaunt am Donnerstag, und man hätte auf die Idee kommen können, es läge am Besuch aus England. Der FC Bayern veranstaltete einen sogenannten Open Media Day anlässlich des Champions-League-Finals in der Münchner Arena am 19. Mai. Vor allem englische Medienvertreter waren eingeladen, sich ein Bild zu machen vom Gegner des FC Chelsea, und natürlich war Robben als ehemaliger Spieler des englischen Spitzenklubs der gefragteste Gesprächspartner. Der Holländer also grinste und scherzte und lobte den FC Chelsea, den wahren Grund für seine gute Laune jedoch behielt er für sich. Den verriet sein Arbeitgeber einige Stunden später: Der holländische Nationalspieler hat seinen Vertrag um zwei weitere Jahre bis zum 30. Juni 2015 verlängert.

„Ich habe immer betont, dass ich mich beim FC Bayern sehr, sehr wohl fühle“, wird Robben in einer Pressemitteilung des Rekordmeisters zitiert, dabei hatte sich das noch am Dienstag ganz anders angehört. Das Ringen um einen neuen Vertrag war seit Wochen eine zähe Angelegenheit. Mal hatte Robben erklärt, dass seine Unterschrift reine Formsache sei, dann wollte er davon nichts mehr wissen. Erst vor zwei Tagen hatte der 28-Jährige noch gesagt, dass „in letzter Zeit viele Dinge passiert“ seien und unter anderem auf die Kabinenprügelei mit Franck Ribéry in der Halbzeit der Halbfinalpartie gegen Real Madrid verwiesen. Nur um zwei Tage später plötzlich doch zu unterschreiben.

Robben beteuert nun, dass der FC Bayern „wie eine Familie“ sei. Ob das die anderen Spieler der Mannschaft ähnlich sehen, ist zumindest fraglich: Robben ist nicht mehr so gut gelitten wie noch zu Beginn seiner Amtszeit beim FC Bayern. Nachdem er 2009 seinen Dienst in München angetreten hatte, schoss er die Münchner mit seinen Sonntagstoren gegen Florenz und Manchester United ins Finale der Champions League. Robben war der Spieler, der den Unterschied machte.

Seitdem war er oft und lange verletzt, diese Saison etwa pausierte er fast die gesamte Vorrunde – und blieb danach, so sagen es zumindest die Statistiker, ohne große Wirkung: Robben erzielte mit dem Treffer zum 1:0 gegen Nürnberg nur ein Tor, das wirklich Punkte brachte. Die anderen zehn Treffer in der Bundesliga waren Zugaben bei Kantersiegen der Bayern. Und wer so spielt wie Arjen Robben, wer vor allem auf Alleingänge aus ist, der braucht sich nicht wundern, dass die Mitspieler ihn nur „Alleinikow“ nennen – und er bei Misserfolg schnell unbeliebt ist.

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge stellt die Vertragsverlängerung trotzdem als „Garant für eine weitere erfolgreiche Zukunft des Klubs“ dar. Der Klub verlässt sich mit Robben und Ribéry also weiterhin auf seine Flügelexzentriker. Auch wenn das immer wieder zu hausgemachtem Streit führen wird.

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