F1-Rückkehrer Nico Hülkenberg im Interview : "Ich muss mich neu gewöhnen"

Nach einem Jahr in der Formel 1 verlor Nico Hülkenberg trotz guter Leistungen sein Cockpit bei Williams. Nun ist er zurück und startet für Force India. Im Interview spricht er über Lernprozesse und seine Erwartungen für die Saison.

Rückkehrer Nico Hülkenberg vor dem Saison-Start in Melbourne: "Ich war ein bisschen naiv."
Rückkehrer Nico Hülkenberg vor dem Saison-Start in Melbourne: "Ich war ein bisschen naiv."Foto: dpa

Herr Hülkenberg, mit welchem Gefühl gehen Sie in Ihre zweite Saison als Stammpilot?

Es ist definitiv eine ganz andere Gefühlslage als Anfang 2010 bei meinem Formel-1-Debüt mit Williams. Ich habe einen anderen Wissens- und Kenntnisstand, besitze mehr Erfahrung: ein Jahr als Rennfahrer mit 19 Rennen, eines als Testfahrer und hautnaher Beobachter. Dadurch habe ich einen anderen Startpunkt.

Waren Sie vor zwei Jahren in mancher Beziehung vielleicht sogar ein bisschen naiv?

Mit Sicherheit war ich das. Ich war GP2-Meister und kam als Formel-1-Neuling voller Elan und Tatendrang in die Serie. Da muss man sich erst einmal die Hörner abstoßen und ein paar Dinge lernen.

Was konnten Sie in ihrem Testfahrerjahr 2011 bei Force India lernen?

Im Cockpit habe ich natürlich etwas weniger lernen können. Aber neben der Strecke hat es schon viel gebracht. Etwa im Umgang mit den Medien oder wie das Team operiert, was während des Rennens hinter den Kulissen vor sich geht. Ich konnte die Strategien der verschiedenen Teams beobachten und aufsaugen.

Ist das ein kleiner Ausgleich dafür, dass nach einem Jahr Pause Rennpraxis fehlt?

Klar benötige ich eine gewisse Eingewöhnungsphase, denn Rennpraxis lässt sich nicht trainieren. Das wird für mich eine Herausforderung und nicht unbedingt einfach. Ich muss mich wieder an das Gefühl gewöhnen, in der Startaufstellung zu stehen. Auch das Zweikampfverhalten, der Blick in die Rückspiegel – all das gehört dazu. Seit meinem siebten Lebensjahr habe ich das alles nahtlos jedes Jahr gemacht – dann kam die lange Pause. Die Instinkte sind natürlich noch vorhanden, aber alles muss aufgefrischt werden.

Womit wären Sie am Ende des Jahres zufrieden?

Ich habe hohe Ansprüche an mich und bin sehr selbstkritisch, wenn ich also mit mir und meiner Leistung zufrieden bin, würde ich auch das Jahr als gut einstufen. Ich möchte stets alles geben und so wenig Fehler wie möglich machen. Bei den Ergebnissen wünsche ich mir natürlich regelmäßige Top-10-Platzierungen.

Das Gespräch führte Karin Sturm.

Nico Hülkenberg, 24, fuhr 2010 seine erste Saison in der Formel 1 für Williams. Letztes Jahr noch Testfahrer bei Force India, startet er am Sonntag in Melbourne als Stammpilot in die Saison.

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