Sport : Fabian Gerber

Wie der Mainzer das Spiel gegen Bayern erlebte

Christian Tretbar

Exakt zwei Minuten und 58 Sekunden sind absolviert, als Fabian Gerber, der Mittelfeldspieler von Mainz 05, das erste Mal Bekanntschaft mit Bayerns Verteidiger Lucio macht. Gerber steht mit dem Rücken zum Brasilianer und will sich mit dem Ball einfach um Lucio herumdrehen. So wie es schon oft geklappt hat in dieser Saison. Aber nicht gegen den langen Kerl in der Innenverteidigung des Deutschen Meisters. Der bleibt einfach stehen, schaut Gerber grimmig an und nimmt ihm den Ball ab. Das soll Gerber an diesem Nachmittag noch öfter passieren. Mal grätscht ihm Lucio den Ball ab, mal läuft er ihn ab.

Achtmal hat Fabian Gerber für Mainz in dieser Saison schon getroffen, das ist Vereinsrekord. Aber da waren andere Gegner als Lucio, Robert Kovac oder Willy Sagnol. Dabei wollte Gerber gegen die Bayern glänzen. Es sollte sein Spiel werden, schließlich läuft sein Vertrag in Mainz aus, und es gibt einige Vereine in der Bundesliga, die an ihm interessiert sind. Die Bayern gehören nicht dazu. Und nach diesem Spiel wird Manager Uli Hoeneß seine Meinung wohl kaum geändert haben. Obwohl Gerber rackert. Er ist überall zu finden. Mal kommt er über die rechte Seite, mal schleicht er sich von links an oder er probiert es durch die Mitte. Alles erfolglos. Überall wartet schon ein routinierter Kicker des Deutschen Rekordmeisters auf Fabian Gerber.

Trotzdem fordert er immer wieder die Bälle, reckt seine linke Hand, die seit Wochen verletzt ist und von einer Schiene gestützt wird, immer wieder verzweifelt in die Luft. Wenn er den Ball dann bekommt, leitet er ihn auch erfolgreich weiter. Ab und zu gelingt ihm das sogar mit der Hacke, aber eine Torchance springt nicht dabei heraus. Bis die 52. Minute kommt. Da hat Fabian Gerber die Gelegenheit, es allen zu zeigen. Antonio da Silva hat den Pass gespielt, und aus gut 20 Metern kommt Fabian Gerber völlig freistehend zum Schuss, aber statt Michael Rensing, der für den verletzten Oliver Kahn im Bayern-Tor steht, ordentlich zu testen, drischt Gerber den Ball meterweit links am Tor vorbei.

Es ist nicht Gerbers bestes Spiel, vergessen wird er es trotzdem nicht. Denn am Ende jubelt er mit seinen Noch-Kollegen über den sicheren Klassenerhalt. Immer wieder stemmt er einen kiloschweren Weißbierkrug in die Luft. Nur mit der rechten Hand, die linke muss er noch schonen.

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