FABIAN HAMBÜCHEN : Der Erwartete

Es war eine Art Urschrei, die ganze Spannung, der ganze Druck entlud sich in dieser Sekunde. Fabian Hambüchen hatte gerade seine Übung am Reck beendet, jetzt brüllte er in der Stuttgarter Schleyerhalle, doch der Schrei ging unter im tosenden Applaus der 8500 Zuschauer. Fabian Hambüchen aus Wetzlar hatte bei der Kunstturn-Weltmeisterschaft im September an seinem Spezialgerät Gold gewonnen. Für den 19-Jährigen war es der Höhepunkt eines glanzvollen WM-Auftritts. Vor dem Gold am Reck war Hambüchen Vize-Weltmeister im Mehrkampf geworden, und mit der Mannschaft hatte er Bronze gewonnen. Hambüchen war die dominierende Figur bei dieser WM. Er kämpfte nicht bloß gegen die Weltklasse-Konkurrenten, er kämpfte vor allem gegen die Erwartungen der Fans bei der WM im eigenen Land. Hambüchen hat gezeigt, weshalb er einen festen Platz in der Weltspitze hat. Die Phase, in der Hambüchen Anflüge von Selbstüberschätzung hatte, ist zwei Jahre her, da musste ihn sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen noch auf den Boden zurückholen. Jetzt ist Hambüchen abgeklärt. Er weiß, dass sein jetziges Programm am Reck für die Olympischen Spiele in Peking kaum zum Sieg reichen wird. Er wird seine Übung noch risikoreicher gestalten. fmb

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