Fabian Hambüchen : "Meine Disko ist die Turnhalle"

Bei den am Samstag beginnenden Weltmeisterschaften in Stuttgart gilt Fabian Hambüchen als größte deutsche Medaillen-Hoffnung. Im Interview spricht er über Training in Japan, die harte Konkurrenz und Doping im Turnsport.

Hambüchen
"Von mir aus kann es sofort losgehen": Fabian Hambüchen ist heiß auf die WM im eigenen Land. -Foto: ddp

Wie groß ist die Aufregung bei ihrer ersten WM vor heimischer Kulisse?



Ach, das ist nicht so schlimm. Die Stimmung wird geil sein, alle sind heiß darauf. Es könnte von mir aus sofort losgehen.

Aber der Druck ist doch wohl größer als bei einer WM im Ausland?

Der einzige, der mir Druck machen kann, bin ich selber. Und wenn es denn mal mit den Interview-Wünschen und dem Trubel in der Öffentlichkeit zu bunt werden sollte, habe ich ja noch meinen Onkel Bruno, der mir mentale Stärke vermittelt.

Nach den tollen Ergebnissen dieses Jahres mit dem Gewinn der Europameisterschaft und dem Weltrekord von 16,45 Punkten kann das Ziel am Reck doch nur Gold heißen?

Natürlich will ich am Reck einen raushauen. Aber die anderen schlafen nicht, haben ihre Ausgangswerte auch aufgestockt. Der Slowene Pegan will jetzt eine A-Note von 6,7 anbieten, ein Chinese sogar 6,9. Also bin ich mit meiner 7,0 nicht mehr so weit weg von den anderen. Und diese komplizierte Übung muss ich erstmal ordentlich durchbringen. Dann ist natürlich alles drin.

Und im Mehrkampf? Ihre Übungen am Barren und Boden sind noch schwieriger geworden...

Da möchte ich auch so weit vorn wie möglich landen. Aber die ersten beiden Plätze scheinen an Weltmeister Yang Wei aus China und den Japaner Tomita vergeben. Dahinter will ich mitmischen.

Woher rührt ihr Optimismus, dass es in Stuttgart gut laufen wird?

Ich gehe fitter denn je in die WM. Seit dem Stress mit den Abiturprüfungen habe ich die Umfänge im Training von vier auf sechs Stunden täglich ausgebaut. So komme ich in der Woche auf über 30 Trainingsstunden. Viel Freizeit bleibt da nicht, meine Disko ist die Turnhalle. Ich hoffe, das zahlt sich aus.

In der Mannschaft sind sie trotz Ihrer erst 19 Jahre der Leitwolf. Warum hören denn die Routiniers auf Sie?

Wir sind eine Klasse-Truppe. Einer hilft dem anderen. Und alle sind in einer Topverfassung. In Kienbaum haben wir brutal hart trainiert. Wenn jeder sein Zeugs abruft, sollte die Olympia-Qualifikation gepackt werden.

Denken Sie, dass es in Stuttgart positive Doping-Tests geben wird?

Wir wünschen es nicht und gehen davon aus, dass alle sauber sind. Ich bin überzeugt, dass es in unserem Team kein Doping gibt. Wir hoffen, dass auch die Konkurrenz nur mit fairen Mitteln arbeitet. Aber wir wissen natürlich nicht, was die anderen machen.

Wie trug das 14-tägige Japan-Training zum Formaufbau bei?

Das Turnen in Japan ist eine andere Welt. Die Jungs haben weltweit die beste Technik. Davon habe ich viel profitiert. Ich versuche jetzt, auch mehr japanisches Flair in unser Training hinein zu bringen.

Was bedeutet das?

Zum Beispiel sind die Japaner die größten Schlafmützen, Frühsport um sieben Uhr gibt es dort nicht. Angesichts unseres späten Auftritts in der WM-Qualifikation haben wir im Trainingslager auch alles ein bisschen nach hinten verlegt. Zudem legen die Japaner unheimlich viel Wert auf das Krafttraining. Da habe ich auch einiges übernommen. Und damit ich im kommenden Jahr noch mehr mitnehmen kann, werde ich künftig in der Volkshochschule einen Japanisch-Kurs belegen.

Das Interview führte Frank Thomas, dpa

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