Sport : Fachmann mit Fingerspitzengefühl führt "Goldi" zum Erfolg zurück

ERNST PODESWA

OBERHOF/BERLIN ."Der Goldi ist im Frühjahr letzten Jahres ins Team zurückgekehrt.Und er hat sich ohne Murren und ohne Extrawürste integriert", sagte Andreas Widhölzl, olympischer Silbermedaillengewinner im Skispringen vor 13 Monaten in Nagano.Der Rummel um Andreas Goldberger nach dessen Kokainaffäre und Auswanderungsabsichten von Grenada bis Slowenien sei irgenwie "komisch" und nicht leistungsfördernd für alle gewesen.

Widhölzl gewann im Dezember in Oberhof bei schwierigen Verhältnissen (Nebel) die Weltcupkonkurrenz vor Martin Schmitt und galt bis zu seinem gestrigen Blackout als erster Hoffnungsträger der Österreicher bei der Vierschanzentournee.Der Mann, der dafür sorgte, daß der dreifache Tourneegewinner und Skiflug-Weltmeister Goldberger so unspektakulär in den rot-weiß-roten Horst zurückkehrte und die Austria-Adler zur mannschaftlichen Stärke zurückfanden, heißt Mika Kojonkoski.Der 35jährige Finne lebt mit Frau und drei Kindern in Telfs bei Innsbruck und ist den zweiten Winter für die österreichische Springer verantwortlich.

"Ich habe nach dem Studium in Jyveskylä vier Jahre die finnischen Junioren mit dem späteren Olympiasieger Toni Nieminen betreut und in dieser Zeit auch Toni Innauer kennengelernt.Der war damals für den Springernachwuchs in Österreich zuständig", so der Finne.Nach weiterer Tätigkeit für Suomis Verband, Klubtrainer im Springerzentrum Kuopio und seiner sportwissenschaftlichen Promotion unterbreitete ihm der frühere Weltmeister und Olympiasieger Innauer, inzwischen Sportdirektor für den Nordischen Skisport in Österreichs Verband, ein konkretes Angebot.Kojonkoski nahm an, weil ihn "eine neue Aufgabe" reizte und er auf diese Weise eine andere Struktur im Hochleistungssport nutzen konnte."Wir haben in Finnland viele Vereine und Trainingszentren, in denen qualifizierte Trainer sehr individuell mit ihren Schützlingen arbeiten.In Österreich werden die besten Springertalente mit 14/15 Jahren in den zwei Skigymnasien in Stams und Eisenerz zusammgefaßt.Dort ist durchgängig ein Training auf hohem Niveau und eine Rundumbetreuung mit sportwissenschaftlicher Begleitung gewährleistet."

Diese Umstände bringen nach seiner Beobachtung Springer unterschiedlicher Mentalität hervor: Während in Finnland die individuelle Ausrichtung über alles gehe und sich in starker Motivation der Jungen, die sich für eine Springerkarriere entschieden haben, niederschlage, hätten die Sportler in der Alpenrepublik häufig eine "Beamtenmentalität".Das Problem in Österreich, wo der Druck der nachdrängenden Talente geringer als in Finnland ist, sei vor allem, die Athleten mit finnischem Siegeswillen auszustatten: "Alles in allem ist es jedoch für einen Trainer, der Spitzenleistungen anstrebt, mit dem System der zentralen Förderung und Ausbildung in Österreich leichter, erfolgreich zu sein.Auch weil die jungen Burschen hier im allgemeinen Teamgeist und das mitunter schwierige Zusammenleben im Sport früh gelernt haben und einfacher zu führen sind."

Der Mann mit den kantigen Gesichtszügen hat seine Fähigkeiten beim Umgang mit etwas eigenwilligen Eleven bei Goldberger überzeugend nachgewiesen.Als jener nach Verhandlungen auf höchster Verbandsebene (mit Livediskussion im ORF) wieder bereit war, Österreichs Springerruhm mehren zu helfen, so nur, wenn er seinen Heimtrainer Koch mitbringen könne.Dieser aber lag mit Innauer völlig quer.Kojonkoski übernahm mit diplomatischem Geschick die Vermittlung.Als Goldberger einen Wettbewerb auf Anraten Kochs wegen heftigen Windes auslassen wollte, aber vom "neutralen" Fachmann aus dem Norden zum Mitmachen überredet worden war und großartig auftrumpfte, hatte der Finne das Vertrauen des zweimaligen Sportler des Jahres in Österreich und 20fachen WeltcupsiegersGoldberger erworben.Etwas, was man bei der starken Polarisierung im Lande für oder gegen den einstigen "Gold-Engel" keinem österreichischem Trainer zutraute.

"Er hat sehr gut im Training mitgearbeitet, ist hochmotiviert und will wieder ganz nach oben.Wenn er etwas gelassener wird und seine Technik, die optimal für weites Fliegen unter den alten Materialbedingungen war, den neuen Verhältnissen angepaßt hat, ist er wieder vorn mit dabei", prophezeite Kojonkoski vor drei Wochen in Oberhof.Mit den Tourneeplätzen zwei und sieben und dem fünften Gesamtrang ist Goldberger nun wieder die Nummer eins im Aufgebot des Gastgebers für die beiden letzten Stationen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben