Sport : Fällt heut kein Tor, fällt’s eben morgen

Die 41. Copa America, die Fußball-Europameisterschaft Südamerikas, ist ein herrliches Beispiel für hispanische Gelassenheit

Martín E. Hiller[Lima]

Der Auftakt zur 41. Copa America war ein spannendes Match. Allerdings ging es nicht um Fußball, nicht um das Auftaktspiel Venezuela gegen Kolumbien in der Nacht zu heute, mit dem die Südamerikameisterschaft in Peru eröffnet worden ist. Vielmehr war bis zum letzten Augenblick unklar, ob überhaupt gespielt würde: aus Sicherheitsgründen. Der Präsident des Peruanischen Fußball-Verbandes hatte zwar optimistisch getönt: „Ich bin sicher, dass die Copa pünktlich beginnen wird.“ Das aber war drei Tage vor dem ersten Spiel des traditionellen Wettbewerbs, der mit der Europameisterschaft vergleichbar ist.

Die Stadtoberen Limas weigerten sich aber bis Montag, das Nationalstadion, in dem der Auftakt stattfinden sollte, freizugeben. In Europa hatten sie zwar vor der EM Portugal auch belächelt und daran gezweifelt, dass es mit den Stadionbauten auch klappen würde. Bei der Copa America aber, immerhin das drittgrößte Fußballturnier der Welt, wurde kurz vor Anpfiff noch um die Einhaltung des Terminplans gerungen.

Speziell die Copa 2004 ist ein herrlich lebendiges Abbild hispanischer Gelassenheit, die griechischen Olympia-Bauarbeiter sind dagegen disziplinierte Akkordarbeiter. Eigentlich hätte das Turnier schon 2003 stattfinden sollen, aber die Verantwortlichen konnten sich einfach nicht entscheiden. „Ich denke, so im Juni, Juli nächsten Jahres“, beantwortete Luis Alazabal vom südamerikanischen Verband Conmebol – ein sehr individueller Titel für „Confederación Sudamericana de Futbol“ – vor einem Jahr die Frage nach dem Austragungsdatum. Vor sechs Monaten stand der Spielort noch immer nicht fest, vor drei Monaten war unklar, welche Länder an dem Turnier teilnehmen würden.

Um die Duelle der ewiggleichen Gegner ein wenig aufzulockern, beschloss die Conmebol, neben ihren zehn Mitgliedern zusätzliche Gäste einzuladen. Mexiko und die USA sollten es sein, doch die Teilnahme der Vereinigten Staaten scheiterte, weil sie keinen Sponsor für die Fernsehübertragungen finden konnten. Nun komplettiert Costa Rica die drei Vierergruppen, aus denen die Teilnehmer des Viertelfinales hervorgehen werden. Die Copa, in den 1920ern jährlich, von 1967 bis 1975 gar nicht und inzwischen alle zwei Jahre ausgetragen, sollte diesmal endlich im selben Jahr wie die Europameisterschaft stattfinden, um den vielen in Europa spielenden Stars den ständigen Streit mit ihren Vereinen wegen der Abstellung zu ersparen. Bedauerlicherweise ging dieser Plan nicht auf. So mancher Spitzenspieler bleibt auf Druck seines Arbeitgebers auf dem alten Kontinent.

Zu begeistern sind die „hinchas“, die Fans, trotz des Durcheinanders. Zu Zehntausenden kommen sie aus ganz Lateinamerika, um zu sehen, ob Kolumbien seinen Titel verteidigen oder sich etwa das von den Wettbüros favorisierte Argentinien durchsetzen wird. Dem letzten Turnier in Kolumbien war der Rekordsieger wegen Morddrohungen der einheimischen Guerilla noch fern geblieben. Zur Begrüßung der Gäste bat Staatspräsident Alejandro Toledo die Taxifahrer von Lima „etwas ehrlicher zu Fremden als sonst“ zu sein.

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