Sport : Fäuste hoch, Fäuste runter

Hannover 96 und der VfB Stuttgart trennen sich 3:3

Sebastian Stiekel

Hannover - Hannovers Trainer Dieter Hecking ist eigentlich ein ruhiger, ausgeglichener Mensch. Er wägt seine Worte sorgsam ab und hat sich während eines Spiels fast immer im Griff. Gestern, beim turbulenten 3:3 (2:2) seiner Mannschaft gegen den VfB Stuttgart, half ihm aber auch seine ganze Besonnenheit nicht weiter. Zunächst riss Hecking jubelnd beide Hände in die Höhe, weil Hannover fünf Minuten vor Schluss einen 0:2-Rückstand durch Mikael Forssell in eine 3:2-Führung umgedreht hatte. Doch praktisch im Gegenzug verschwanden Heckings Hände wieder in der Jackentasche: Thomas Hitzlsperger glich zum 3:3 aus.

Hecking räumte noch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff ein, dass er nicht wisse, wie er sich fühlen solle. „Ich sehe das Ergebnis mit einem lachenden und einen weinenden Auge.“ Hannover ist weiter im Abstiegskampf, andererseits hatte Hecking beobachtet, „dass diese Mannschaft lebt und dass sie will“.

Denn schon am Ende der ersten Halbzeit hatte sie durch Jiri Stajner und Jacek Krzynowek innerhalb von zwei Minuten den 0:2-Rückstand durch die frühen Tore von Mario Gomez und Martin Lanig ausgeglichen. Der VfB hatte sich zu sehr auf seinem Vorsprung ausgeruht und die verunsicherten Gastgeber zurück ins Spiel gebracht.

So wusste am Ende auch Stuttgarts Trainer Markus Babbel nicht, „ob ich nun glücklich oder traurig sein soll“. Aber für ihn steht in diesen Tagen auch nicht so viel auf dem Spiel wie für seinen Kollegen Hecking. Der benötigte vor dieser Partie ein Machtwort seines Klubchefs. „Es wird auch im Fall einer Niederlage mit Hecking weitergehen“, hatte Martin Kind erklärt. Denn Hannovers Trainer hatte nach dem 1:3 in Cottbus erleben müssen, wie schnell man selbst in einem vertrauten Umfeld Kredit einbüßen kann. Noch vor einem halben Jahr war der frühere 96-Spieler Hecking für Fans und Medien in Hannover ein Hoffnungsträger. Mittlerweile kreiden ihm viele an, dass er angeblich kein Mittel im Kampf gegen den Abstieg finde. Nach diesem 3:3 wird die Kritik an ihm leiser, aber sie wird nicht verstummen. Sebastian Stiekel

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