Fahnenträger : In alter Tradition

Mit der Ernennung von Bobpilot André Lange zum Fahnenträger sollen Diskussionen wie noch 2008 in Peking verhindert werden. Die Nominierung von Dirk Nowitzki hatte damals bei einigen weniger prominenten Sportlern für Unmut gesorgt.

Helen Ruwald
Vancouver 2010
"Mach et André!" DOSB-Präsident Thomas Bach gratuliert André Lange. Auch Generaldirektor Michael Vesper (l.) ist bester Dinge. -Foto: dpa

Gemeckert wird diesmal nicht, jedenfalls nicht öffentlich. Falls ein deutscher Olympiateilnehmer enttäuscht sein sollte, dass nicht er zum Fahnenträger auserkoren wurde, sondern Bobpilot André Lange, wird er das tunlichst mit sich selbst abmachen. André Lange ist schließlich nicht Dirk Nowitzki, um dessen Ernennung es 2008 in Peking einigen Wirbel gegeben hatte. Lange, der bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele das deutsche Team ins BC Place Stadium von Vancouver führen wird, hat dreimal Olympiagold gewonnen, 2002 und 2006 im Viererbob, vor vier Jahren zudem im Zweierbob.

"Es ist natürlich die größte Ehre für mich, die deutsche Fahne ins Stadion tragen zu dürfen“, sagte der Thüringer nach der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die Reaktionen waren im Gegensatz zu 2008 durchweg positiv. "Er hat sehr viel für den deutschen Sport getan. Er hat es verdient“, sagte Rodel-Weltmeisterin Tatjana Hüfner über den Nachfolger von Biathletin Kati Wilhelm. Vor allem Kanuten und Schützen hatten in Peking nicht verstanden, warum NBA-Star und Mulitmillionär Nowitzki bei seiner ersten Olympiateilnahme die Fahne tragen durfte – und nicht die mehrfachen Olympiasieger Andreas Dittmer oder Ralf Schumann, die in Peking zum vierten beziehungsweise sechsten Mal bei Olympischen Spielen antraten.

"Natürlich erhoffen wir uns, dass der Funke überspringt, dass gerade junge Leute sich noch mehr für Olympia interessieren“, begründete Chef de Mission Michael Vesper damals die Wahl für den Basketballstar, für den mit der Olympiateilnahme und dem Leben im olympischen Dorf ein Kindheitstraum in Erfüllung ging. Nun ist der DOSB zu alten Traditionen zurückgekehrt, einen langjährigen, erfolgreichen Olympioniken zum Fahnenträger zu bestimmen. Jemanden, der trotz riesiger Erfolge nur einer Minderheit der Bevölkerung bekannt ist – im Gegensatz zu Weltstar Nowitzki.

Bei den vergangenen Winter- und Sommerspielen wurden unter anderem Reiter Ludger Beerbaum, Kanutin Birgit Fischer, Langläufer Jochen Behle und Biahtlet Mark Kirchner mit dieser Aufgabe betraut. "Das ist neben den olympischen Erfolgen eine Auszeichnung, mit der man in die Geschichtsbücher eingeht. Als Fahnenträger wird man geadelt“, sagt Bobpilot Wolfgang Hoppe, Fahnenträger 1992 in Albertville.

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