Fahnenträger Schmidberger : Ein Mann für Rio

Deutsche Tischtennis-Hoffnung trug die deutsche Fahne bei der Schlussfeier der Paralympics in London. In Rio de Janeiro will er in vier Jahren Gold holen.

Benjamnin Scholz
Zukunft an der Platte. Andreas Schmidberger trug in London die deutsche Fahne bei der Schlussfeier. In Rio de Janerio will er die Goldmedaille gewinnen. Foto: dapd
Zukunft an der Platte. Andreas Schmidberger trug in London die deutsche Fahne bei der Schlussfeier. In Rio de Janerio will er die...Foto: dapd

Die Spiele in London sind gerade erst zu Ende gegangen, da richtet die Sportwelt den Blick schon auf die nächsten Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Der deutsche Behindertensportverband (DBS) unterstrich mit der Entscheidung, den Tischtennisspieler Thomas Schmidberger die Fahne tragen zu lassen, dass Rio binnen Stunden in den Fokus gerückt ist. „Schmidberger gehört die Zukunft“, erklärte der DBS. Die Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier, die 30-jährige Schwimmerin Daniela Schulte, war aufgrund ihrer starken, vergangenen Leistungen ausgewählt worden. Nun schaut der DBS bewusst nach vorne.  „Wir möchten mit dieser Nominierung ganz klar ein Zeichen in Richtung Jugend setzen. Thomas Schmidberger gehört zu einer Reihe von Hoffnungsträgern für die Paralympischen Spiele in Rio 2016“, kommentiert Karl Quade, Chef de Mission beim DBS. Aus dieser Erwartungshaltung resultiert natürlich auch ein gewisser Druck. Schmidberger sieht das allerdings gelassen: „Das lobt mich nur und motiviert mich noch mehr.“

Schon bei den Spielen in London hatte der 20-jährige überzeugt. Bei seiner Premiere durfte der Weltranglistendritte der Wettkampfklasse 3 zweimal auf das Podium. Binnen einer Nacht verdrängte er die bittere Enttäuschung nach dem Halbfinal-Aus am Vorabend im Einzel und belohnte sich am nächsten Morgen mit der Bronzemedaille. Im Team mit Jan Gürtler und Thomas Brüchle setzte er noch einen oben drauf, das Trio scheiterte lediglich im Endspiel an China.

Das Tragen der Fahne sieht Schmidberger als große Ehre und Bestätigung dieser Leistungen an. Sein persönliches Highlight dieser Spiele bleibt somit „der Gewinn der Einzelmedaille vor dieser Kulisse und vor meiner Familie“. Mit Eltern, Freunden und seiner Freundin möchte der Plattlinger, der mit vier Jahren bei einem Unfall auf dem Weg zum Kindergarten querschnittsgelähmt wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt, auch die nächsten zwei Wochen verbringen – um zu entspannen. Danach wird auch er den sportlichen Fokus auf die Spiele in Rio legen. Schmidberger hat sein Potenzial unter Beweis gestellt, dennoch wird es nicht einfach, die Ergebnisse in vier Jahren zu bestätigen. „Ich werde hart trainieren, um weiterhin fleißig Medaillen zu sammeln“, gibt er seine persönliche Marschroute vor. Doch vorher lässt er noch einmal die diesjährigen Paralympics Revue passieren. „London war der Wahnsinn, ich habe zwei Medaillen gewonnen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte er.

Ein weiterer Traum lebt dagegen noch weiter in ihm: 2016 will er Gold holen. Was in diesem Jahr noch ein „Wunschziel“ war, wie Schmidberger nach seinem gewonnenen Viertelfinale im Einzel sagte, soll in Rio Realität werden.

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