Sport : Fahren im Grenzbereich

Formel-1-Unfälle enden oft glimpflich – wie Ralf Schumachers

Karin Sturm

Monza. Am Morgen danach klagte Ralf Schumacher nur noch über einen Brummschädel. Eine Gehirnerschütterung hatten die Ärzte bei ihm diagnostiziert. Schumachers Williams-BMW hatte sich bei Testfahrten in Monza am Dienstagabend mehrfach seitlich überschlagen. Er kam in eine Mailänder Klinik, blieb dort aber nicht lange. „Mittags konnten wir nach Hause, nach Salzburg, fliegen. Ralf soll sich ausruhen, damit er für das Rennen in Monza wieder fit ist“, sagte sein Fitnessbetreuer Daniel Dobringer.

Ein glimpflicher Ausgang eines Unfalls, über den Williams-Chefingenieur Sam Michael sagt: „Es war nicht Ralfs Fehler, sondern ein technischer Defekt. Was genau, das müssen wir noch klären.“ Erste Vermutungen deuten auf einen gebrochenen Heckflügel hin, möglich ist aber auch, dass eine Aufhängung brach.

Für die weiteren Tests brachte Williams ein neues Auto an die Strecke. Testfahrer Marc Gené übernahm Schumachers Job. In der WM-Endphase gilt jeder Testkilometer, alles wird bis zum Letzten ausgereizt. Mit zu hohem Risiko für die Piloten? Der Defekt am Williams, die gebrochene Aufhängung an Rubens Barrichellos Wagen beim Großen Preis von Ungarn, der gebrochene Heckflügel am Jordan von Ralph Firman, die bis heute nicht ganz geklärten starken Abflüge von Kimi Räikkönen und Alexander Wurz mit dem neuen McLaren – geht die Formel 1 in ihrem Geschwindigkeitswahn über die Grenzen? Fahrer und Techniker sehen das nicht so. In der Formel 1 seien stets Grenzbereiche ausgelotet worden, „und eigentlich ist früher sogar mehr gebrochen, weil weniger Hochtechnologie und Berechnung dahinter stand“, sagt Norbert Kreyer, Technischer Direktor von Toyota. Auch Juan Pablo Montoya, Ralf Schumachers Kollege bei BMW-Williams, bleibt gelassen. „Dass mal was kaputt geht, gehört bei der Formel 1 dazu.“

Immer mehr wurden auch die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Ernsthaft verletzt hat sich seit Mika Häkkinen 1995 in Australien niemand mehr. Die letzten tödlichen Unfälle von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger passierten 1994. Heutzutage verformen sich die Kohlefaser-Monocoques fast nicht mehr. Dazu kommen immer weiter perfektionierte Sechspunkt-Gurt-Systeme, leichte, aber stabile Helme und höher gezogene Cockpitwände, die die Fahrer vor herumfliegenden Teilen und Rädern schützen.

Dennoch gibt es Warnungen von Ärzten, dass bald die Autos die Unfälle zwar überstehen würden, der Organismus der Fahrer aber gegen die auftretenden Kräfte nicht mehr widerstandsfähig genug sei.

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