Sport : Fahrlässig und rücksichtslos

Manfred Amerell

Im Spiel zwischen Bochum und Hamburg läuft die 80. Minute. HSV-Spielmacher Rafael van der Vaart grätscht dem Bochumer Tommy Bechmann brutal von hinten in die Beine. Kaum hat sich van der Vaart aufgerappelt, wird er in der sich anbahnenden Rudelbildung von Zvjezdan Misimovic mit beiden Händen vor die Brust gestoßen, fällt wieder zu Boden. Schiedsrichter Wolfgang Stark zeigt van der Vaart die Rote Karte, Misimovic kommt mit Gelb davon. War das gerecht, Herr Amerell?

Van der Vaarts Aktion war ein Paradebeispiel für eine Rote Karte. Er hat den Gegenspieler von hinten abgegrätscht, ohne erkennbar auf den Ball zu achten. In Regel 12, in der es um „Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen“ geht, sind drei Kategorien aufgeführt: fahrlässig, rücksichtslos, unverhältnismäßiger Körpereinsatz. Für dieses Foul lassen sich alle drei Begriffe anwenden. Der Wille, den Ball zu spielen, war nicht erkennbar, zudem wurde auch die Gesundheit des Gegners missachtet, eine klare Tätlichkeit also. Bei der folgenden Aktion des Bochumer Spielers handelt es sich um unsportliches Verhalten, das zu Recht mit der Gelben Karte geahndet wurde. Der Schiedsrichter muss in einer solchen Situation entscheiden: Stößt ein Spieler seinen Gegenspieler heftig oder schubst er ihn nur leicht. Heftiges Stoßen wird dem Schlagen gleichgesetzt und würde ebenfalls einen Platzverweis nach sich ziehen.

Bei van der Vaart kam hinzu, dass seine Aktion im Rücken des gegnerischen Spielers ihren Ausgang nahm. Wenn ein Spieler von vorne so in einen Zweikampf geht, beide Spieler also die Optik zum Ball haben, dann hätte der Gegenspieler vielleicht die kleine Chance, im Bruchteil von Sekunden zu reagieren und dadurch das Schlimmste abzuwenden.

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