Sport : Fahrlässiges Foul

Schiedsrichter Krug erklärt, warum es in Bremen Elfmeter gab

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NACHSPIEL

58. Minute im Weserstadion: Im Spiel zwischen Bremen und dem FC Bayern gibt es Aufregung im Münchner Strafraum. Bayerns Bixente Lizarazu versucht gemeinsam mit Bremens Ivan Klasnic, eine Flanke zu erreichen. Dabei trifft er Klasnic mit dem Arm im Gesicht, der geht zu Boden. Schiedsrichter Knut Kircher pfeift Elfmeter. Die Münchner protestieren noch nach Spielschluss. Zu Recht, Herr Krug?

Ich kann die Proteste nicht nachvollziehen. Der Schiedsrichter hat völlig korrekt gehandelt. Im Fernsehen sieht man, dass Lizarazu mit seinem Arm Klasnic im Gesicht getroffen hat. Lizarazu hat nach dem Spiel gesagt, er habe Klasnic beim Hochspringen nur unabsichtlich getroffen. Ich halte das für Unsinn. Schauen wir uns die Szene an: Lizarazu bewegt sich in Erwartung einer Flanke rückwärts, streckt dabei den linken Arm zur Seite aus und trifft Klasnic im Gesicht. Die Frage ist: Warum schlägt er überhaupt mit dem Arm, und dann gerade mit dem linken, zur Seite aus? Lizarazu gab hinterher an, er hätte nur hochspringen wollen. Doch beim Hochspringen hat man normalerweise die Arme zunächst am Körper – um sie dann zur Unterstützung des Sprungs nach oben zu reißen. Von all dem ist auf den Bildern nichts zu sehen. Nur wenn man einen anderen Spieler wegdrücken oder sich Platz verschaffen will, breitet man die Arme aus. Das kann dazu führen, dass man den Gegenspieler trifft. Lizarazu hat Klasnic vielleicht unglücklich oder gar unbeabsichtigt getroffen, aber er hat fahrlässig gehandelt. In der Regelsprache nennen wir das ein Kontaktvergehen. Lizarazus Berührung führte dazu, dass Klasnic nicht an den Ball kam. Natürlich ist nicht jede Berührung ein Foul. Laut Regelwerk ist Fußball ein „körperbetontes Spiel“. Der Schiedsrichter muss beurteilen, ob es sich nur um eine zufällige Berührung oder um ein ahndungswürdiges Vergehen handelt. Wenn ein Spieler aber mit seinem Verhalten in Kauf nimmt, seinen Gegenspieler unter Umständen unfair daran zu hindern, den Ball zu bekommen, darf er sich über einen Pfiff des Schiedsrichters nicht wundern. Dabei spielt es keine Rolle, ob Absicht vorlag oder nicht. Denn im Fußball werden nicht nur absichtliche Fouls geahndet, sondern auch fahrlässige Vergehen.

Hellmut Krug (47) erklärt im Wechsel mit Manfred Amerell eine aktuelle Szene des Spieltages aus Regelsicht. Krug pfiff 17 Jahre in der Bundesliga.

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