Sport : Fair geht vor

DFL sorgt für Verwirrung in Hannover und Mainz

Steffen Hudemann

Berlin - Christian Heidel ist bester Laune. „Wir sammeln einen Titel nach dem anderen“, sagt der Manager des FSV Mainz 05. „Erst sind wir bester Aufsteiger geworden, dann Rheinland-Pfalz-Meister und jetzt auch noch Fairplay-Meister.“ Zur Belohnung winkt nun der Europapokal. Sechs Klubs aus den fairsten Nationen, die die Europäische Fußball-Union (Uefa) nach einem komplizierten Punktesystem ermittelt hat, kommen in einen Lostopf. Am Sonntagabend gegen 21 Uhr, in der Halbzeit des Frauen-Länderspiels England gegen Finnland in Manchester, werden zwei Klubs herausgezogen, die am Uefa-Cup teilnehmen dürfen.

Für Mainz, das den Klassenerhalt in der Bundesliga schon als eine Sensation feierte, kommt die Hoffnung auf Europapokalnächte überraschend. Für Trainer Jürgen Klopp war Europa vor einem Jahr „noch so weit weg wie der Mond“. Bis zum vergangenen Samstag schien dieser Vergleich noch zu stimmen. Erst am Rande des DFB-Pokalfinals in Berlin unterrichtete die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Mainzer von ihrem Glück.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Hannover 96 davon ausgegangen, dass die Mannschaft es mit den wenigsten Gelben und Roten Karten in den Lostopf geschafft hatte. Ausschlaggebend ist aber das Punktesystem der Uefa. Danach werden neben den Karten auch andere Kriterien berücksichtigt. Das Verhalten der Zuschauer etwa: „In keinem Fall dürfen sie den Gegner, den Schiedsrichter oder die gegnerischen Zuschauer einschüchtern oder ängstigen.“ Bewertet wird auch das Verhalten der Mannschaftsoffiziellen, zum Beispiel, „ob sie aufgebrachte Spieler beruhigen oder aufhetzen“. Ein weiteres Kriterium ist die Attraktivität des Spiels. Ein Team, das offensiv spielt, erhält mehr Punkte als eines, das mauert. Vor allem dieser Punkt könnte Hannover geschadet haben. In der Rückrunde erzielte die Mannschaft in 17 Spielen nur zehn Tore.

Hannover war allerdings davon ausgegangen, dass die Kartenstatistik entscheidend sei, und hatte fest mit einer Teilnahme am Losverfahren gerechnet. Vor den letzten beiden Saisonspielen hatte die Lokalpresse sogar noch diskutiert, wie hart die Spieler zur Sache gehen dürften, um den ersten Platz in der Kartenstatistik nicht zu gefährden. Entsprechend empört sind Fans und Offizielle jetzt. „Es fehlt völlig die Transparenz“, sagt Manager Ilja Kaenzig. „Es hat vorab keine ausreichenden Informationen gegeben.“

DFL-Sprecher Christian Pfennig reagiert gereizt auf das Thema. „Die Uefa-Kriterien gelten seit Jahren, sie waren allen Vereinen bekannt.“ Die DFL sei verpflichtet, die Fairplay-Wertung nach den Uefa-Kriterien zu erstellen. Anders als bei der englischen Premier League, die den aktuellen Punktestand der Fairplay-Tabelle im Internet veröffentlicht, findet sich auf Bundesliga.de, der offiziellen Seite der DFL, aber kein Hinweis auf die Fairplay-Wertung. Im Gegenteil: Bis vor wenigen Tagen führte die DFL die Kartenstatistik unter dem Punkt „Fairplay-Wertung“. Dadurch erweckte sie den Eindruck, dass diese Wertung deckungsgleich mit derjenigen der Uefa sei. Erst nachdem es zum Eklat gekommen war, änderte die DFL die Überschrift in „Kartenstatistik aller Vereine“. Sprecher Pfennig räumt ein, dass die Bezeichnung „unglücklich“ gewesen sei. Ob die DFL die Fairplay-Wertung in Zukunft veröffentlichen wird, werde entschieden, wenn die „Wogen sich geglättet haben“.

Mainz muss nun auf die überraschende Wendung reagieren. „Wir haben nichts Genaues gewusst. Wir wussten nur, dass die Kartenstatistik nicht allein zählt“, sagt Christian Heidel. „Wir müssen uns nun erst einmal informieren, ob wir zur Auslosung nach Manchester reisen sollten.“ Zwar sei der Aufwand groß, „für die fünf Minuten nach England zu fliegen“. Wenn das aber üblich sei, werde er vor Ort sein, sagt Heidel. „Wir kennen uns in Europa noch nicht so aus, da wollen wir nicht gleich zu Anfang die Etikette verletzen.“

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