Falko Götz bei Hertha BSC : 1:3 in Mönchengladbach: Statistenrolle zum Ende der Serie

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Falko Götz wollte sich nicht lange mit Kritik aufhalten. Draußen wartete der Mannschaftsbus, und am Gesichtsausdruck des Trainers hat sowieso jeder sehen können, wie verärgert er war. Sein Team, Hertha BSC, hatte am Samstagnachmittag 1:3 (1:1) in Mönchengladbach verloren, bei einem Klub, der in der Tabelle weit hinter dem Berliner Fußball-Bundesligisten steht. So eine Niederlage schmerzt. Was soll der Mann schon erzählen nach so einem Arbeitstag? Götz fasste sich kurz: "So, nun ist es passiert." Ein trockener Kommentar. In Mönchengladbach kassierte Hertha die erste Niederlage nach sieben Spielen. Es war die erste unter Trainer Falko Götz.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Weit hinten, im Gewühl der Journalisten, stand Herthas Manager Dieter Hoeneß und lächelte. Sarkasmus. Gute Laune hatte Hoeneß an diesem Nachmittag wirklich nicht gehabt. "Es war klar, dass unsere Serie einmal vorbei ist", sagte Hoeneß. "Aber doch nicht so." Der Manager schüttelte verärgert den Kopf und setzte zu einer knappen Analyse an: "Das war ein Kampfspiel. Und diese Tugend war bei den Gladbachern einfach ausgeprägter." So einfach ist das.

Noch dem Spiel konnte sich nicht einmal Sebastian Deisler freuen. Nach fünf Monaten Verletzungspause spielte Deisler neunzig Minuten durch. Das Knie hielt. Das ist die gute Nachricht. "Ich weiß, dass nicht alles sofort gut laufen kann", sagte Deisler. Falko Götz hielt Deisler für "einen der wenigen Lichtblicke". Auf dieser Leistung könne man aufbauen, meinte Götz.

Herthas Trainer hatte Deisler auf der rechten Seite spielen lassen, sehr offensiv, fast schon wie ein Stürmer. Er nahm den Platz des Stürmers Alex Alves ein, der sich beim Sieg gegen Nürnberg einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Auch Manndecker Lapaczinski blieb draußen. Für ihn spielte Andreas Schmidt. Keine schlechten Leute. Deisler dürfte, wenn er fit ist, eine Verstärkung sein. Nur in Gladbach, da lief es einfach nicht. "Wir sind nie ins Spiel reingekommen", sagte Trainer Götz. Nach vier Minuten ist Gladbach in Führung gegangen, durch einen Volleyschuss von Ivo Ulich. Hertha agierte zaghaft, vorsichtig, und nach dem Ausgeichstreffer durch Marcelinho nach einer halben Stunde schien es, als wollten sich die beiden Mannschaften neutralisieren.

Gladbachs Trainer Hans Meyer sagte, dass seine Mannschaft "im psychologischen Vorteil war". Denn, so Meyers Logik: "Wir hatten vor Hertha einen Riesenrespekt." Hertha BSC hatte sechs seiner vergangenen sieben Spiele gewonnen und 22 Tore erzielt. Der Grat zwischen Selbsbewusstsein und Selbstüberschätzung ist schmal. Das hat Hertha gestern bewiesen. Gladbach arbeitete, grätschte, spielte sich Chancen heraus - die Berliner gaben die Statisten dazu. Nach einer Stunde traf Lawrence Aidoo zum 2:1. Götz erinnerte sich nach dem Abpfiff an seine Vorgaben: "Wir uns hatten uns vorgenommen zu agieren." Doch zwanzig Minuten vor Abpfiff erhöhte Aidoo auf 3:1. Beinlich und Hartmann standen da einen Meter vom Ball entfernt. Und schauten zu.

So eine böse Ahnung hatte Herthas Manager Dieter Hoeneß schon vor dem Spiel gehabt. "Alle reden in Berlin immer nur von den letzten drei Partien", hatte er gesagt. Hertha spielt dann gegen die Bayern, Schalke und Leverkusen. Wichtige Spiele im Kampf um den dritten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League berechtigt.

"Wir müssen jetzt erst einmal die Basis schaffen", hatte Hoeneß gesagt. "Die wirklichen Tests kommen jetzt." Schon den Test in Mönchengladbach haben sie nicht bestanden. Die Champions League liegt nun fünf Punkte entfernt. Vor dem Spieltag waren es drei gewesen. "Wir hätten einen entscheidenden Schritt nach vorne machen können", sagte Hoeneß am Abend. Kaiserslautern hatte gegen Leverkusen verloren, Hertha hätte sich mit einem Sieg absetzen können. "Die heutige Niederlage war sträflich", sagte Hoeneß. Dann ging er zum Bus. Der Motor lief. Nur schnell weg aus Mönchengladbach.

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