Sport : Falko Götz nimmt Herthas Spieler hart ran

Stefan Hermanns

Berlin - Dass die Situation ernst ist bei Hertha BSC, dürfte jetzt auch den Spielern des Berliner Fußball-Bundesligisten nicht mehr verborgen geblieben sein. Sejad Salihovic zum Beispiel. „Sejad!“, ruft Trainer Falko Götz über den Trainingsplatz, „Du stehst da hinten rum und guckst dir die Fahnenstange an!“ Götz redet viel mit den Spielern, er gibt klare Anweisungen – und vor allem dokumentiert er jetzt ziemlich deutlich, dass er das leidenschaftslose Herunterspulen des Arbeitspensums bei seinen Profis nicht mehr dulden will. Immerhin spielt Hertha am Donnerstag in Bukarest gegen das Ausscheiden aus dem Uefa-Cup an, drei Tage später, in Duisburg, gegen ein weiteres Abrutschen in der Bundesliga – und damit dagegen, dass die Situation noch ernster wird.

Vor der Trainingseinheit und auch danach versammelt Götz seine Profis zur Generalansprache, er lobt, wo es möglich ist, und tadelt, wo es nötig ist. Götz lässt Standardsituationen üben. „Wenn’s spielerisch mal nicht läuft – was haben wir denn dann noch?“, fragt er, als er sich wieder über die unerträgliche Leichtigkeit erregt. „Standards! Da muss Feuer rein. Und ihr seid hier am Rumflachsen.“ Damit es auch der Letzte merkt: Die Zeit des Spaßens ist jetzt vorüber.

Fordern und fördern – so könnte man Götz’ neue Linie nennen. Es sind die einfachen Dinge, mit denen Herthas Spieler ihre Sicherheit zurückgewinnen sollen. Als sie sich einmal die Bälle über zehn Meter zupassen, sagt ein Zuschauer: „Wie in der A-Jugend.“

Ein bisschen erinnert die Trainingseinheit an die Zeit unter Hans Meyer, der auf dem Trainingsplatz immer auch ein großer Kommunikator war und keine Rücksicht auf die Empfindsamkeit seiner Spieler genommen hat. „Wir waren alle ein bisschen zu schludrig“, sagt Mannschaftskapitän Arne Friedrich. „Der Trainer achtet jetzt darauf.“

Dass die Situation ernst ist bei Hertha BSC, merkt auch ein Team vom Fernsehen, das nach dem Training auf den Platz kommt, um mit Falko Götz zu reden. Herthas Trainer schüttelt den Kopf und geht weiter.

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