"Fall Klose" : Diskussion um Geheimtreffen geht weiter

Die Deutsche Fußball Liga hat den "Fall Miroslav Klose" zu den Akten gelegt, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der DFB-Kontrollausschuss will den Vorgang prüfen.

Frankfurt/Main - Horst Hilpert, Vorsitzender des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), kündigte eine Prüfung der vorliegenden Unterlagen an. Erst danach wolle er entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird. "Für den DFB ist die Akte nicht geschlossen", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger. Die DFL reagierte mit großer Verwunderung auf diese Ankündigung. Der DFB habe bis zum Donnerstagvormittag nicht erkennen lassen, dass Ermittlungen beabsichtigt seien. Nach dpa-Informationen soll es am Freitag bei der DFB-Präsidiumssitzung zu einem klärenden Gespräch zwischen DFB und DFL kommen.

In einem Interview des Fachmagazins "Kicker" hatte Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, den Fall Klose für erledigt erklärt. Weil sowohl Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld als auch Klose, der bei Werder Bremen noch bis Sommer 2008 unter Vertrag steht, das Geheimtreffen am 24. April in Hannover als informelles Gespräch deklarierten und Bremen offiziell keine Beschwerde einlegte, habe die DFL den Verstoß gegen die Statuten nicht ahnden können. "Vor diesem Hintergrund können wir die Sache nicht weiterverfolgen", sagte Hieronymus.

Juristische Winkelzüge

Für ihn sei dies umso ärgerlicher, als er in dem informellen Gespräch einen Verstoß gegen die Statuten sehe. "In meinen Augen hat dies den gleichen Stellenwert wie eine Vertragsverhandlung. Aber weisen sie das mal juristisch nach. Wir wollen das nicht mehr unterscheiden und dementsprechend die Statuten ändern", sagte Hieronymus. Er appellierte an die 36 Proficlubs, sich für schärfere Bestimmungen einzusetzen.

"Uns ist es statuarisch gar nicht möglich, den Dingen nachzugehen. Dafür ist der DFB-Kontrollausschuss zuständig. Er ist nicht tätig geworden", kritisierte Hieronymus. Der DFB reagierte prompt, zumal er sich zu Unrecht in der Rolle des Buhmanns sieht. Hilpert habe den Fall bislang genau beobachtet und erwartet, dass er nach Abschluss der Untersuchungen von der DFL über die Ergebnisse informiert wird. Die Ankündigung von Hieronymus, dass der FC Bayern München ohne Sanktionen davonkomme, kam daher überraschend. Dies wiederum sorgte bei der DFL für Verstimmung. Im Vorfeld habe es kein abstimmendes Gespräch zwischen Hilpert und Hieronymus gegeben. Die Akten seien vom DFB erst angefordert worden, nachdem die DFL für ihren Kompetenzbereich die Einstellung des Verfahrens angekündigt hatte.

Unabhängig vom Ausgang des Falles plädierte Hieronymus für eine Verschärfung der geltenden Regeln. "Wir werden die Liga-Statuten auf den Prüfstand stellen und entscheiden, ob sie den Ansprüchen genügen. Dann werden wir sie entsprechend verschärfen oder abschaffen", kündigte der DFL-Geschäftsführer an. Er warnte davor, den Status quo beizubehalten. "Wenn wir alles so weiterlaufen lassen, werden wir am Ende des Tages die Rechnung präsentiert bekommen", sagte Hieronymus.

Offizielle Verhandlungen frühestens sechs Monate vor Vertragsablauf

Das Geheimtreffen der Bayern-Verantwortlichen mit Klose zwei Tage vor dem Bremer Uefa-Cup-Halbfinale bei Espanyol Barcelona (0:3) hatte hohe Wellen geschlagen. Laut Statuten des Weltverbandes Fifa dürfen Vereine frühestens sechs Monate vor Ablauf eines Vertrages mit einem Spieler verhandeln. Der Nationalstürmer war nach Bekanntwerden des Kontakts über Nacht zum Buhmann geworden und hatte sich den Zorn der Werder-Fans zugezogen.

Im bislang spektakulärsten Fall hatten der FC Chelsea und Ashley Cole etwa 900.000 Euro Strafe zahlen müssen, weil sie bereits ein Jahr vor Vertragsende des englischen Nationalspielers beim FC Arsenal über den später erfolgten Vereinswechsel verhandelt hatten. Coles Berater war für 18 Monate mit einem Berufsverbot belegt worden. "Die Premier League hat die Bestimmungen schärfer gefasst. Das müssen wir auch, aber die 36 Vereine des Ligaverbandes müssen es wollen", sagte Hieronymus. (Von Eric Dobias, dpa)

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