Sport : Falsche Chance

von

Der Sport stellt an sich selbst den Anspruch, jedem Menschen eine zweite Chance zu geben – ob er nun einmal gedopt hat, für die Stasi gespitzelt oder sich hat bestechen lassen. Deshalb ist es natürlich das gute Recht des ehemaligen Schiedsrichters Bernd Ullrich, wieder ein Amt im Deutschen Handball-Bund (DHB) zu übernehmen – obwohl vor fünf Jahren auf einem Moskauer Flughafen 50 000 Dollar in bar in seinem Handgepäck gefunden wurden, für die Ullrich gemeinsam mit seinem Kollegen ein Europapokal-Finale manipuliert haben soll. Zwar ist das Duo nie rechtskräftig verurteilt worden. Trotzdem mutet die Version des Gespanns („Wir sind reingelegt worden“) bis heute zweifelhaft an.

Nun soll sich Ullrich um junge Schiedsrichter beim DHB kümmern, also ihre Entwicklung begutachten und vorantreiben. Mit dieser Entscheidung gibt der größte Handball-Verband der Welt allerdings keine gute Figur ab. Tatsächlich spricht nichts dagegen, den ehemaligen Weltklasseschiedsrichter Ullrich wieder im Sinne des Verbands einzusetzen – zum Beispiel als Beobachter von Unparteiischen, der nach Bundesliga-Spielen Noten verteilt. Dem Mann, der vor fünf Jahren einen riesigen Skandal im internationalen Handball verursacht hat, aber ausgerechnet den Nachwuchs an die Hand zu geben, zeugt nicht gerade von Sensibilität. Dass es für Schiedsrichter nicht genügend gute Ausbilder in Deutschland gibt, darf dabei kein Argument sein.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar