Sport : Falsche und richtige Prognosen

Claus Vetter

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Zuverlässigkeit die Capitals inzwischen in der Deutschlandhalle ihre Punkte einfahren. Gestern waren die Hannover Scorpions die Leidtragenden. Die Berliner kamen vor 3900 Zuschauern zu einem 3:0 (1:0, 1:0, 1:0). Ein Erfolg, der angesichts der Tatsache, dass die Capitals auf fünf Stammspieler verzichten mussten, beachtlich ist.

Die Scorpions haben ihren Fans in der laufenden Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) selten Anlass zum Feiern gegeben. Beim vorläufigen Höhepunkt ihrer Tristesse erlebten die Hannoveraner am ersten Weihnachtstag in ihrer schmucken Preussag-Arena ein bitteres 3:7 gegen Oberhausen. Hannovers Trainer Christer Abrahamson war sich nach der Niederlage aber sicher, dass sich sein Team bei den Capitals zu einer Trotzreaktion aufraffen würde. "Das Spiel gewinnen wir", hatte Abrahamson vollmundig prophezeit.

Aktuell Newsticker: Sport
Die Hannoveraner machten gestern zunächst nicht den Eindruck, als wären sie zum Siegen nach Berlin gekommen: Beim Minigolf mag Standfestigkeit dem Spieler zum Vorteil sein, beim Eishockey hingegen ist Bewegungsarmut generell nicht unbedingt von Vorteil. Wie langsam und körperlos die Hannoveraner gestern loslegten, war beachtlich.

Die Berliner durften die - mitunter wie Slalomstangen ausharrenden - Akteure der Scorpions nach Herzenslust umkurven. Bereits nach nur fünf Minuten konnte der herausragende Greg Andrusak die Inaktivität der Hannoveraner bestrafen: Bei einem kräftigen Schuss aus etwa fünf Metern sauste der Puck an Scorpions-Torhüter Andrew Verner vorbei ins Netz. Lorenz Funk junior und Ronny Arendt hatten sehenswerte Vorarbeit für Andrusak geleistet. Insbesondere die Leistung von Funk war einmal mehr hervorzuheben. Der Stürmer war zu Saisonbeginn eigentlich nur als Ergänzungsspieler gedacht, hat inzwischen bei den Capitals aber längst eine tragende Rolle.

Allzu meisterhaft zeigten sich die Berliner indes gestern im Auslassen bester Möglichkeiten. Allein im ersten Abschnitt wurde ein gutes Dutzend Chancen vergeben. Die Angst der Berliner Stürmer vor dem Abschluss barg natürlich Gefahr in sich. Nach rund zehn Minuten erwachten die Scorpions nämlich aus ihrer kollektiven Lethargie. So wurde aus einer beschaulichen Partie dann doch ein Krimi. Die Capitals taten sich ab dem zweiten Drittel immer schwerer. Wobei den Berlinern zugute gehalten werden musste, dass nur drei etatmäßige Verteidiger ihren Dienst verrichten konnten. Foster (Bruch des Brustbeins), Hynes (Hüftverletzung) und Tribunkovs (Leistenzerrung) mussten passen. Stürmer Fredrik Öberg rückte dafür in die Verteidigung. Ab und an durfte auch André Berger aushelfen; der Zwanzigjährige und kam somit zu seinem ersten Einsatz in der DEL.

Als die Capitals gegen Ende des Mittelabschnitts ein Überzahlspiel erfolgreich abschließen konnten - Tscherbajew traf -, schien der Berliner Sieg Formen anzunehmen. Olle Öst freilich traute dem Ganzen in der zweiten Drittelpause noch nicht. "Wir sind noch nicht durch", sagte der Manager der Capitals und ehemalige Trainer der Scorpions. "Wir haben nur drei gelernte Verteidiger, das kann noch eng werden."

Öst lag mit seiner Prognose richtig. Die immer müder werdenden Capitals lieferten den Scorpions zum Schluss eine reine Abwehrschlacht. Allerdings eine erfolgreiche, die von den Rängen mit Ovationen belohnt wurde. Tscherbajew erzielte kurz vor Schluss - die Scorpions hatten den Torwart herausgenommen - das 3:0. Hannover dagegen schoss keinen einzigen Treffer, Andrej Mezin kam somit zu seinem vierten Shut-out, also einem Spiel ohne Gegentor. Ob der Weißrusse in Diensten der Capitals in zwei Tagen seinen fünften Streich landen kann, ist indes fraglich: Am Freitag kommt mit den Krefeld Pinguinen immerhin der Tabellenführer in die Deutschlandhalle (Beginn 19.30 Uhr).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben