Sport : Familie Lurz jagt die Rekorde

Frank Bachner

Hannover - Vor dem Start war’s furchtbar, sagt Annika Lurz. Die Aufregung vor dem Rennen bekommt sie einfach nicht in Griff. Gestern, vor den 200 Metern Freistil bei den deutschen Schwimmmeisterschaften, war es „wirklich schlimm“. Dann patzte sie auch noch bei zwei Wenden – und schlug trotzdem als Erste an, sah 1:58,92 Minuten an der Anzeigetafel im Stadtbad Hannover und „freute sich riesig“. Eine ganz gute Zeit, gemessen an allem. Nur registrierte sie die falsche Zeit. Es war die Zeit von Meike Freitag, der Zweitplatzierten. Ihre Zeit erkannte Annika Lurz erst Sekunden später, eine Zeit, die sie auch eine Stunde später „noch gar nicht wirklich realisieren“ konnte. 1:56,73 Minuten, Weltjahresbestzeit, nur neun Hundertstelsekunden über dem Weltrekord von Franziska van Almsick. Fast acht Zehntelsekunden unter ihrer persönlichen Bestzeit. Eine spektakuläre Bestätigung. Annika Lurz, geborene Liebs, ist eine Weltklasseschwimmerin. Bei der EM in Budapest schwamm sie in der Staffel 1:55,64 Sekunden, das war, hochgerechnet auf die Einzelstrecke, schon unter dem Weltrekord. Aber Lurz ist zu schnell aus der Unauffälligkeit nach oben gekommen, um als Star anerkannt zu werden.

Sie war nicht im Höhen-Trainingslager des Deutschen Schwimmverbands, hat seit der EM zwei Prüfungen für ihr Lehramtsstudium geschrieben – und nun diese Zeit. Vielleicht wäre es sogar Weltrekord geworden, wenn Britta Steffen sie getrieben hätte, die vierfache Europameisterin aus Berlin. Diese musste ihren Start wegen eines Magen-Darm-Virus absagen. „Ich war ein wenig erleichtert“, sagt Annika Lurz. „Eine Konkurrentin weniger.“

Euphorisch wirkte Annika Lurz nach dem Rennen nicht. Dabei hat die 27-Jährige selten mehr Grund zur Freude gehabt als gestern. Einen Meter neben ihr saß ihr Schwager. Thomas Lurz, eigentlich Freiwasser-Spezialist, der über zehn Kilometer seit 18 Monaten kein Rennen verloren hat, hatte gerade den 17 Jahre alten deutschen Rekord von Jörg Hoffmann über 800 Meter Freistil verbessert: 7:51,59 Minuten, Weltjahresbestzeit.

Der Bruder von Thomas Lurz ist Stefan Lurz, der Ehemann und Trainer von Annika Lurz. Eine in Deutschland einmalige Konstellation. Aber kein Problem, sagt Thomas Lurz. „Mein Bruder war schon immer ein Kumpel von mir, er muss mich nicht antreiben, er muss mich eher bremsen.“ Da beugt sich Annika Lurz vor und wirft ein: „Aber er hat’s nicht leicht mit uns beiden.“ Zumindest sie musste sich „am Anfang daran gewöhnen“, dass ihr Mann auch ihr Trainer ist. Direkt nach der EM in Budapest haben sie geheiratet, es ist jetzt einfach anders, auch wenn er sie schon seit fünfeinhalb Jahren betreut. Und dann gibt ja es auch noch den Vater von Thomas und Stefan Lurz. Der ist eine bedeutsame Person im Klub des sportlichen Trios. Vater Lurz ist Präsident des SV Würzburg 05.

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