Sport : Familienbande

Der Fall Hoyzer bekommt eine neue Wendung – den ersten Auftrag soll ihm sein Vater vermittelt haben

Frank Bachner[Tanja Buntrock],Sven Goldmann

Berlin - Vor gut zwei Monaten wurde der Medienstar Robert Hoyzer geboren. Am 8. Februar, zur besten Sendezeit in der Fernsehshow von Johannes B. Kerner. Seitdem gilt der Auslöser des Wettskandals im deutschen Fußball als netter Junge von nebenan, der durch höhere Mächte und zwielichtige Kroaten in den Sumpf der Korruption geraten sei, was ihm besonders für seine Familie Leid tue, weil „ich doch so gut erzogen worden bin“. Vielleicht aber hat ihm gerade diese Erziehung den Weg zum Betrug geebnet. Denn das erste Angebot zur Manipulation eines Fußballspiels wurde dem Schiedsrichter Robert Hoyzer nicht von einer vermeintlichen Wettmafia aus Kroatien übermittelt, sondern von seinem Vater. Das hat Peter Hoyzer nach Informationen des Tagesspiegel in seiner Vernehmung vor der Berliner Staatsanwaltschaft zugegeben.

Peter Hoyzer berichtet in seiner Aussage von einem Gespräch im November 2003 mit Christian Rocca. Dieser war damals Präsident des Regionalligisten Sachsen Leipzig, für den Hoyzer senior früher als Technischer Leiter und Mannschaftsbetreuer arbeitete. Die Leipziger schwebten in Abstiegsgefahr, und Robert Hoyzer war für das erste Rückrundenspiel in Chemnitz als Schiedsrichter angesetzt. Rocca habe bei Peter Hoyzer nachgefragt, ob sein Sohn gegen die Zahlung einer angemessenen Geldsumme Einfluss auf den Lauf der Partie nehmen könne. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Robert so etwas macht“, will der Vater geantwortet haben. Gleichwohl habe er das Angebot übermittelt – aber nur, um dem Sohn zu erzählen, was für Sachen der Präsident Rocca sich so ausdenke. Das Spiel verlief dann auch keineswegs im Sinne der Leipziger. Bis weit in die Nachspielzeit lagen sie 1:0 in Führung, ehe den Chemnitzern noch der Ausgleich gelang, angeblich nach einem unberechtigten Freistoß. Dennoch ging auf Robert Hoyzers Konto eine Bareinzahlung von 500 Euro ein, deren Herkunft bis heute ungeklärt ist.

Nach Peter Hoyzers Angaben führte sein Sohn ein Zweitkonto, das eigens für eher inoffizielle Einzahlungen eingerichtet worden sei. Seit dem Jahr 2001 sei sein Arbeitslosengeld auf Roberts Konto überwiesen worden, weil er wegen seiner dramatischen finanziellen Lage und eines Eintrags bei der Schuldenauskunft „Schufa“ kein eigenes Konto führen dürfe. Außerdem sei er auf diesem Umweg für eine Gefälligkeitsaussage entlohnt worden, die er dem FC Sachsen in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit dessen früherem Geschäftsführer Gerd Achterberg geleistet habe. Dieser Freundschaftsdienst sei Sachsen Leipzigs Präsident Rocca 3000 Euro wert gewesen.

Christian Rocca reagierte gestern bestürzt auf Hoyzers Einlassungen. „Wenn er das gesagt hat, dann hat er nicht nur finanzielle Probleme“, sagte der Bankkaufmann. Er habe nie von einer Manipulation gesprochen, und die Aussage gegen Achterberg habe Peter Hoyzer von sich aus angeboten.

Peter Hoyzer ist für Nachfragen derzeit nicht zu erreichen. Aus der Öffentlichkeit hat er sich zurückgezogen, es gibt nur ein Foto, das ihn beim Besuch seines Sohnes zeigt, als der zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saß. Robert Hoyzers Anwalt Thomas Hermes rechnet damit, dass im Juni oder Juli die Anklageschrift verlesen wird. Er schätzt, dass die Hauptverhandlung im September beginnt. Dabei wird auch Dominik Marks eine Rolle spielen. Der Schiedsrichter aus Stendal mit Wohnsitz in Berlin war von Hoyzer der Manipulation dreier Spiele bezichtigt worden. Gestern entschied das Landgericht Berlin, dass Marks weiter auf freiem Fuß bleiben darf. Das Landgericht hat am Freitagmorgen die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Haftverschonung abgelehnt. Dies bestätigte Justizsprecher Michael Grunwald. Der Haftbefehl gegen Marks bleibt bestehen. „Er muss sich aber täglich bei der Polizei melden“, sagte Marks’ Anwältin Astrid Koch.

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