Fan-Ehepaar nach dem Deutschland-Aus : "Nach fünf Minuten wusste man es"

Die Fans Kristina und Conrad Krüger über die Stimmung nach dem Spiel in Durban und ihre Halbfinal-Karten für 850 Euro

TAGESSPIEGEL: Frau Krüger, Herr Krüger, Sie haben ja einen Regenschirm dabei.

KRISTINA: Wir sind eben immer perfekt vorbereitet. Dabei hat es gar nicht geregnet – entgegen der Vorhersage. Jetzt fangen wir mit dem Schirm die Tränen auf.

TAGESSPIEGEL: Sie wirken aber ziemlich gefasst nach dem Ausscheiden des deutschen Teams.

CONRAD: Na ja, alle hatten wahnsinnig hohe Erwartungen, das konnte nicht gut gehen.

KRISTINA: Ich hatte schon den ganzen Tag über ein komisches Gefühl. Unsere Jungs waren gar nicht richtig da, es war total enttäuschend. Nach fünf Minuten wusste ich, dass wir nicht ins Finale kommen würden.

TAGESSPIEGEL: Wie war die Stimmung im Stadion? Haben Sie viele Tränen gesehen?

KRISTINA: Nein, gar nicht. Die Deutschen sind eher reserviert. Sie fressen so etwas in sich rein.

TAGESSPIEGEL: Woher kommen Sie?

KRISTINA: Aus Münster in Westfalen. Mein Mann ist Südafrikaner, wir leben schon seit knapp zehn Jahren zusammen in Tzaneen am Rand der Krüger-Parks.

CONRAD: Ich bin der Ur-ur-Enkel des Krüger-Park-Gründers und arbeite im Immobilien-Geschäft. In Tzaneen habe ich ein Einkaufszentrum gebaut, die „Münster Mall“. Es hieß, man muss solche Projekte immer nach dem Geburtsort seiner Frau benennen.

TAGESSPIEGEL: Bereuen Sie jetzt, dass Sie die lange Reise nach Durban auf sich genommen haben?

CONRAD: Nein, im Gegenteil. Dafür gebe ich gerne Geld aus. Wir haben uns ganz spontan dafür entschieden.

KRISTINA: Alles in allem war es aber ziemlich teuer: 8400 Rand, das sind etwa 850 Euro, für die beiden Tickets. Und dazu die Kosten für das Leichtflugzeug, das wir in Pretoria gechartert haben, das Hotel ...

CONRAD: Wir sind heute um halb fünf aufgestanden. Aber es hat sich gelohnt. Kristina ist fußballverrückt. Unsere Freunde kommen uns oft besuchen – aber nicht, damit wir zusammen Spiele sehen, sondern um meine Frau beim Mitfiebern zu beobachten.

KRISTINA: Mein Team ist Bayern München.

TAGESSPIEGEL: Und wie haben Sie beide sich kennengelernt?

KRISTINA: Ich war auf der Hochzeit einer Verwandten eingeladen, die in Südafrika auf einer Farm stattfand. Ich hatte mir kurz vor dem Abflug das Bein gebrochen, und Conrad fuhr mich mit einem Geländewagen durch die Gegend ...

CONRAD: ... Liebe auf den ersten Blick! Eine Woche später stand ich bei Kristinas Eltern vor Tür und hielt um ihre Hand an.

Die Fragen stellte Esther Kogelboom

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