Fan in Ruanda : Ein Eisbär in Afrika

Wie ein Eisbären-Fan sein Team in Afrika verfolgt. Erwin Metz lebt in Ruanda und wird als Eishockey-Fan für verrückt gehalten. Doch seinen Eisbären hält er die Treue.

Erwin Metz
270064_0_9a01e646.jpg
Stolz, ein Eisbär zu sein. Seit 2007 lebt Erwin Metz in der ruandischen Hauptstadt Kigali.Foto: privat

KigaliUm meine Leidenschaft zu erklären, muss ich ein bisschen erzählen. Schon 1971 bin ich zum Eishockey gekommen, damals war ich immer in der Brehmstraße – bei der Düsseldorfer EG. Jaja, das hört sich bestimmt komisch an, weil Düsseldorf jetzt im Finale gegen die Eisbären gespielt hat. Aber natürlich fiebere ich mit den Berlinern mit, denn meine Zeiten als DEG-Fan sind längst vorbei.

Nachdem ich als Verwaltungsleiter der Botschaft in Russland, Portugal, Weißrussland und Island gearbeitet hatte, kam ich 2004 nach Berlin und war hin und weg von der offensiven Spielkultur der Eisbären. Deshalb habe ich mir in den beiden darauffolgenden Jahren eine Dauerkarte zugelegt und war bei jedem Spiel zugegen. Wirklich bei jedem.

Tja, und gerade als ich mir die Dauerkarte für die nächste Saison kaufen wollte, bekam ich das Angebot, nach Ruanda zu gehen. Es war ein komisches Gefühl, die Spiele nicht mehr live verfolgen zu können, der Abschied fiel mir deshalb richtig schwer. Jetzt, in Kigali, bin ich als Anhänger des Eishockeys natürlich ziemlich allein auf dem Posten: Die halten mich hier alle für verrückt. In meinem Büro hängt zum Beispiel ein Eisbären-Kalender; wenn die Menschen den sehen, machen sie immer ganz große Augen. Die Afrikaner verstehen meine Leidenschaft nicht wirklich, hier verfolgt man vor allem Fußball, aber auch Kricket und Rugby.

Ich dagegen bin auf das World Wide Web angewiesen, um bei den Spielen der Eisbären dabei zu sein. Meistens höre ich das Internet-Fanradio, das es seit einem Jahr gibt. Ich bin richtig erstaunt, dass ich die Schilderungen der Kommentatoren so genau nachvollziehen kann. Wie gut, dass ich eine rege Fantasie habe und die Spielabläufe aus meiner Vergangenheit noch kenne.

Auch zu meinen alten Kumpels aus dem Stehblock A  im Wellblechpalast habe ich regelmäßigen Kontakt per E-Mail oder in Briefen. Dadurch bin ich immer sehr gut informiert und weiß bestens Bescheid. Das ist mir auch wichtig, denn ich will das Geschehen so nah wie möglich verfolgen. Deshalb freue ich mich auch immer, wenn mir mein Sohn manchmal Fernsehaufzeichnungen der Begegnungen als DVD zuschickt – so wie er es bei den ersten Finalspielen gemacht hat.

Am Besten ist es allerdings immer noch, wenn ich mal für ein paar Wochen in Berlin bin. Dann bin ich natürlich bei jedem Heimspiel der Eisbären dabei und kaufe mir immer sofort die neuesten Fanartikel: Schals, Trikots, Mützen und so weiter. Das letzte Mal war ich im Dezember in der Stadt. Vier Partien der Eisbären habe ich da in ihrer neuen Halle gesehen – es war toll. Eines steht deshalb fest: Wenn ich irgendwann nach Berlin zurückkehre, werde ich mir sofort wieder eine Dauerkarte zulegen.

Aufgezeichnet von Katrin Schulze.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben