Fan-Krawalle : Tod auf dem Rastplatz

Vincenzo delle Donne über ein Unglück bei Fan-Krawallen in Italien.

Vincenzo delle Donne

Wieder einmal haben gewalttätige Auseinandersetzungen auf einem Autobahnrastplatz in Italien zum Tod eines Fußballfans geführt. Matteo Bagnaresi, 27 Jahre alt und Anhänger des FC Parma, war das Opfer. Bereits am 11. November 2007 war Gabriele Sandri, Fan von Lazio Rom, ebenfalls nach Handgreiflichkeiten auf einer Raststätte versehentlich von einem Polizisten erschossen worden.

Das neuerliche Unglück geschah nahe dem piemontesischen Asti, wo sich die Wege zweier Fangruppen kreuzten. Wenige Stunden vor der Serie-A-Partie Juventus Turin gegen den FC Parma überfielen etwa fünfzig Parma-Fans während einer Rast einen anderen Bus mit Juventus-Fans. Sie gingen mit Schlagstöcken auf die Juve-Fans los und bewarfen sie mit Flaschen. Den Busfahrer befiel Panik, er legte den Rückwärtsgang ein und fuhr überstürzt los. Dabei überrollte er Matteo Bagnaresi, der auf der Stelle tot war. Der Busfahrer fuhr zunächst weiter, stoppte aber nach einigen Kilometern und benachrichtigte die Polizei. Das Ligaspiel zwischen Juventus Turin und dem AC Parma wurde daraufhin abgesagt.

Das Opfer war kein Unbekannter. Das Spiel gegen Juventus sollte sein erstes Live-Spiel nach drei Jahren Stadionverbot sein. Im Januar 2005 war er erwischt worden, als er – ebenfalls im Spiel gegen Juventus – das Spielfeld stürmte. Er wurde dann als Rädelsführer der sich anschließenden Ausschreitungen identifiziert. Der Polizeichef von Asti, Antonio Nanni, sprach nach Bagnaresis Tod von einem „tragischen Unglücksfall“.

Nach dem Tod des Polizisten Filippo Raciti, der im Februar 2007 beim Liga-Spiel Catania gegen Palermo von Tifosi getötet wurde, hatte die Regierung weitreichende Maßnahmen verabschiedet, um die Sicherheit in und vor den Stadien zu garantieren. Vieles hat sich danach zum Besseren gewendet. Ein neuralgischer Punkt bleiben die Fahrten der Tifosi zu Auswärtsspielen. Mitunter verwüsten sie dabei ganze Zugabteile, verbreiten Angst und Schrecken. Bei der Anreise mit Bussen nutzen sie häufiger mal Raststätten zu rüden Guerilla-Kämpfen. Jetzt fordert die Gewerkschaft der Polizei für die Tifosi ein generelles Verbot, Auswärtsspiele zu besuchen – auf unbestimmte Zeit. Nur so ließe sich dieses Problem halbwegs in den Griff bekommen.

An dieser Stelle schreiben unsere Korrespondenten dienstags über Fußball in England, Spanien und Italien.

0 Kommentare

Neuester Kommentar