Sport : Fangsicher und arbeitslos

Energie Cottbus sucht nach Schließung der Transferliste noch einen Torwart

Karsten Doneck

Berlin – Fangsicher, sprungkräftig, reaktionsschnell – diese Tugenden allein reichen nicht aus, wenn sich einer beim Zweitligisten Energie Cottbus um einen Arbeitsplatz zwischen den Pfosten bewirbt. Ein elementar wichtiges Kriterium für den von den Lausitzern gesuchten neuen Torwart lautet: Arbeitslos muss er sein. Denn die Transferliste ist seit Dienstagnacht geschlossen. Eine Sonderregelung gestattet es aber, vereinslose Fußballprofis aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Cottbus will handeln: Stammtorwart Tomislav Piplica hat sich am vorigen Wochenende die Schulter gebrochen, wurde gestern bei Spezialisten im Unfallkrankenhaus Marzahn operiert und fällt nun mindestens ein halbes Jahr lang aus.

Zunächst wird in Cottbus der bisherige Ersatztorhüter Gunnar Berntsen die Nummer eins, Stellvertreter ist der junge, unerfahrene André Thoms. Trainer Eduard Geyer reicht das nicht, er fordert einen gestandenen Torhüter. Seit das bekannt ist, hat Energies Manager Klaus Stabach den Telefonhörer noch häufiger am Ohr als sonst. „Da ruft die halbe Welt an“, sagt er. Stabachs „halbe Welt“ umfasst etwas mehr als 20 Angebote. Die Torhüter, die für die Cottbuser interessant waren, „haben es aus irgendwelchen Gründen nicht geschafft, rechtzeitig auf die Transferliste zu kommen“, stellt Stabach verärgert fest. Deshalb muss der Verein nun seine Suche auf die Torhüter konzentrieren, die derzeit ohne Vertrag sind. Drei Kandidaten gibt es: Jörg Stiel (früher Mönchengladbach), Gintaras Stauce (früher Duisburg) und ein ungarischer Torhüter, den die beiden Ungarn bei Energie, Zsolt Löw und Zoltan Szelesi, zum Kauf empfohlen haben.

Nicht eben eine große Auswahl. Wobei die Spielergewerkschaft VdV ohnehin eine Trendwende auf dem Markt der Fußballprofis registriert. Derzeit seien nur rund 30 bei der VdV gemeldete Profis arbeitslos, vor einem Jahr seien es noch 200 gewesen. Nun gibt es freilich einen großen Anteil von Spielern, die gar nicht in der VdV organisiert sind.

Die Verpflichtung eines neuen Torwarts belastet Energie Cottbus auch finanziell stark. „Eigentlich habe ich dafür gar kein Geld zur Verfügung“, sagt Stabach. Und einen Zeitarbeitsvertrag bis zur Genesung von Piplica darf der Klub dem künftigen Torwart gar nicht geben. Die Statuten schreiben vor, dass arbeitslose Profis als Minimum einen Eineinhalbjahresvertrag erhalten müssen. „Da muss man dann schon einen holen, der eine gewisse Perspektive hat“, sagt Ronny Gersch, Energies Pressesprecher.

Momentan konzentriert sich das Interesse der Cottbuser auf den ungarischen Torhüter. Name? „Kenne ich nicht“, sagt Stabach. Der Manager ist bemüht, Kontakt zum Berater des Torwarts herzustellen. Was sich aber als schwierig erweist. Auch Spielerberater machen ja mal Urlaub. Durchaus verständlich – wenn doch die Transferliste geschlossen ist.

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