Fans gegen Klinsmann : Rufe nach Udo Lattek

Nach dem Champions-League-Aus wird es für Trainer Jürgen Klinsmann beim FC Bayern immer ungemütlicher. Die Fans machen schon Vorschläge für die Nachfolge.

Sebastian Krass[München]
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Wenig Rückhalt. Viele Fans forderten gegen Barcelona Klinsmanns Abschied. Foto: dpa

Es begann mit inbrünstigen Rufen nach Ottmar Hitzfeld. Das war noch nicht überraschend, sondern die logische Fortschreibung zum inzwischen etablierten „Klinsmann raus“. Dann aber ging es weiter: Die Südkurve feierte nacheinander auch noch U23-Trainer Hermann Gerland, Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Lothar Matthäus und sogar Udo Lattek. Die Initiative mag von einigen Ultra-Fans ausgegangen sein. Doch die Wucht der Rufe verriet, dass Hunderte, vielleicht auch Tausende von Bayern-Anhängern mitmachten. Anfangs dachte man noch, an diesem Abend sei vielleicht Ruhe mit den Anfeindungen gegenüber Jürgen Klinsmann. Doch nachdem Barcelonas Seydou Keita die von Franck Ribéry besorgte Führung des FC Bayern ausgeglichen hatte, war es vorbei mit der Ruhe. Und als in den Schlussminuten die Südkurve ihr Personaltableau vorstellte, wuchs sich die Schmähung Klinsmanns zur Verhöhnung aus.

Und was sagt der Betroffene dazu? Es ist der Tag nach dem Aus durch das 1:1 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League. Klinsmann sitzt in der Presserunde an der Säbener Straße und lacht unsicher. „Die Namen möchte ich nicht kommentieren.“ Was soll er auch sonst sagen? Es wäre eher die Aufgabe von Uli Hoeneß gewesen, Stellung zu beziehen. Er ist ja ein Manager ohne Scheu, sich mit den eigenen Fans anzulegen. Doch im Moment hält er es anscheinend nicht für angebracht, Klinsmann zur Seite zu springen. „Ich habe das zur Kenntnis genommen, aber ich werde es nicht kommentieren“, sagte Hoeneß nach dem Spiel. Sicher hat er auch zur Kenntnis genommen, dass zwischenzeitlich „Vorstand raus“ aus der Kurve schallte – allerdings in verhaltener Lautstärke. Noch.

Es war das erste Mal seit dem 0:4-Debakel in Barcelona, dass Hoeneß sich wieder den Journalisten stellte. Zu den wirklich interessanten Fragen aber sagte er nichts, auch nicht zur Zukunft von Klinsmann. „Wir haben uns in den letzten Tagen nicht zu dem Thema geäußert und werden es auch in den nächsten Tagen nicht tun. Wir haben das Gefühl, dass wir damit gut gefahren sind“, sagte Hoeneß. Damit ist die Zeit der Treueschwüre auch offiziell beendet. Unter „gut gefahren“ muss er wohl verstehen, dass nun die Nachfolgerdebatte in den Medien an Fahrt gewinnt. Angeblich läuft die Suche nach möglichen Klinsmann-Erben auch intern schon.

Auch Klinsmann scheint zu ahnen, dass sich über ihm etwas zusammenbraut. Zwar beschwor er am Mittwoch, auf die Partie in Bielefeld am Samstag blickend, erneut, die Sache mit der Meisterschaft werde auf jeden Fall klappen. Aber dann sagte er auch: „Du musst am Ende des Jahres irgendeinen Titel auf dem Marienplatz präsentieren. Sonst war es ein schlechtes Jahr.“ Und genau das würde man ihm nicht verzeihen.

Doch Klinsmann kämpft – und geht dabei auf Distanz zum Vorstand. Am Dienstagabend wurde er gefragt, ob er jetzt, bei all den Verletzten, Landon Donovan vermisse, den vierten Stürmer, den er nicht behalten durfte. „Ich hatte diese Befürchtung, und die Befürchtung ist eingetroffen. Diesmal hatte ich vor dem Spiel Bammel: Was, wenn auch noch Luca Toni etwas passiert? Dann hätten wir ohne Stürmer gegen Barcelona spielen müssen.“ Kürzlich hatte Klinsmann schon darauf verwiesen, eine Mannschaft übernommen zu haben, die schon da war. Zwei Verpflichtungen für die kommende Saison sind bisher klar: Anatoli Timoschtschuk (Zenit St. Petersburg) und Ivica Olic (Hamburger SV). Dabei sollte es eigentlich bleiben. Doch Jürgen Klinsmann will mehr: „Wir brauchen noch zwei, drei hochkarätige Spieler, die Erfahrung auf höchstem Niveau haben.“

Auf die Nachfrage, ob er dafür auch das Geld vom Vorstand bekomme, antwortet Klinsmann: „Die Investitionsbereitschaft ist da.“ Fragt sich nur, welcher Trainer im Sommer die Spieler aussuchen darf.

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