Fans von Galatasaray Istanbul festgenommen : Strafe, wem Strafe gebührt

Nach den Ausschreitungen rund um das Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Galatasaray Istanbul nahm die Polizei 700 Personen in Gewahrsam, 21 davon wurden vorläufig festgenommen - zu Recht. Ein Kommentar.

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Vor, während und nach dem Champions-League-Spiel der Dortumnder gegen Galatasaray Istanbul (4:1) ist es am Dienstagabend zu massiver Randale gekommen.
Vor, während und nach dem Champions-League-Spiel der Dortumnder gegen Galatasaray Istanbul (4:1) ist es am Dienstagabend zu...Foto: dpa

Den Fans von Darmstadt 98 ist dieser Tage eine bemerkenswerte Aktion gelungen. Sie haben in der Kurve 4000 Euro für ihren Verein gesammelt. Mit dem Geld soll der Klub eine Strafe begleichen, zu der er wegen des Fehlverhaltens seiner Anhänger verurteilt worden war. Dass die Fans die Zeche zahlen und damit die individuelle Verantwortung für ihr Fehlverhalten übernehmen, ist nicht nur begrüßenswert, sondern auch ziemlich ungewöhnlich. In der Regel nämlich funktioniert das in einem Fußballstadion so leider nicht.

Wie will man einen Übeltäter überführen und zur Rechenschaft ziehen, der durch die breite Masse weitgehend geschützt ist? Auf dieses Problem haben die Fußballverbände bisher mit bemerkenswerter Hilfs- wie Einfallslosigkeit reagiert. Die Verantwortung wird einfach an die nächsthöhere Instanz delegiert: an die Vereine. Da gibt es dann die üblichen Geldstrafen für den vermeintlich nicht ausreichenden Ordnungsdienst – und in besonders schweren Fällen wird auch mal ein Geisterspiel verhängt. Der erzieherische Effekt für den Einzelnen? Gleich null.

Vor diesem Hintergrund ist es nur zu begrüßen, mit welchem Aufwand die Polizei in Dortmund auf das gemeingefährliche Feuerwerksspektakel der Fans von Galatasaray Istanbul am Dienstag reagiert hat. Sie hat die Personalien sämtlicher Anhänger aufgenommen, 700 Personen in Gewahrsam genommen, 21 vorläufig festgenommen. Es geht unter anderem um versuchten Totschlag. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr – und kann schon deshalb nicht mit einer Kollektivstrafe geahndet werden, die alle trifft. Und niemanden.

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