Sport : Fast alle eingeholt

Michael Schumacher wird nach einer spektakulären Aufholjagd in Imola Zweiter hinter Fernando Alonso

Karin Sturm[Imola]

Zeitweise klebte Michael Schumacher förmlich am Renault von Fernando Alonso. Doch der siebenmalige Formel-1-Weltmeister schaffte es nicht, er konnte den Spanier nicht überholen. Alonso verteidigte seinen ersten Platz, Alonso gewann den Großen Preis von San Marino in Imola, Alonso bleibt Spitzenreiter in der WM-Wertung. Aber der große Held in diesem Rennen war er nicht. Der große Held dieses Rennen kam 0,2 Sekunden hinter ihm ins Ziel. Michael Schumacher hatte eine Demonstration seines Könnens geliefert. Der Superstar der High-Tech-Branche hatte sich mit einer grandiosen Aufholjagd von Platz 13 auf Rang zwei vorgearbeitet. Schumacher liegt nach vier Rennen in der Fahrerwertung aber 26 Punkte hinter dem Spanier Alonso. Auf den dritten Platz kam in Imola der Brite Jenson Button (10,3 zurück) im BAR-Honda. Michael Schumacher war allerdings selbst schuld, dass er auf einem so schlechten Platz starten musste. Denn in der zweiten Qualifikation, vier Stunden vor dem Rennen, war er in der Rivazza-Kurve ins Kiesbett gerutscht. Damit hatte er seine Chancen auf einen guten Startplatz vergeben. „Das hat natürlich Zeit gekostet“, sagte er. Am Vortag war er noch die drittbeste Zeit gefahren.

„Es war sehr hart“, sagte Alonso nach seinem dritten Sieg in Folge. „Ich hatte immer wieder Überrundete vor mir und Angst, dass die mich abbremsen und mich Michael dabei erwischt.“ Schumacher war hin- und hergerissen. Da war einerseits diese phänomenale Aufholjagd. Darüber freute er sich enorm. „Es ist an sich ein tolles Ergebnis für das ganze Team. Platz zwei ist eine Belohnung für unsere harte Arbeit in den letzten Wochen.“ Aber andererseits: „Wenn man daran denkt, was heute früh passiert ist und was möglich gewesen wäre, wenn ich nicht ins Kiesbett gefahren wäre, dann ist man schon ein bisschen traurig, dass es mit dem Sieg nicht geklappt hat.“

Aber eins dürfte jetzt klar sein: Die Krise, die Ferrari zu Saisonbeginn durchlitten hat, ist wohl vorbei. „Dass wir wieder dabei sind, ist wohl klar“, sagt Schumacher. Aber das ist nur das eine. Für Ferrari genügt es nicht, dass das Team nicht mehr Hohn und Spott erzeugt. Für Ferrari geht es ja auch um die Chancen auf den WM-Titel. Aber da bleibt Schumacher erstmal reserviert. „Alonso hat einen enormen Vorsprung. Ob wir da noch herankommen, muss man abwarten.“ Ferrari-Technikchef Ross Brawn dämpfte sogar ganz bewusst die Erwartungen. Bridgestone hatte Ferrari zwar neue Reifen geliefert, die einige Beobachter schon als „Wunderreifen“ bezeichneten, aber Brawn hält das für massiv übertrieben. „Mal sehen, ob wir unser Reifenproblem wirklich gelöst haben. Erst das nächste Rennen in Barcelona wird darüber endgültig Aufschluss geben. Sicher, hier hat alles gepasst, aber der Streckenbelag hier ist so spezifisch, dass er nicht repräsentativ für die meisten anderen Kurse ist.“

Es gibt noch einen zweiten Punkt, der Brawn möglicherweise beunruhigt: Der neue Ferrari ist noch immer nicht wirklich zuverlässig. Davon betroffen war allerdings Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello. Der Brasilianer hatte im Training immer wieder Getriebeprobleme, im Rennen fiel er dann mit Elektronikproblemen aus.

Großes Pech in diesem Rennen hatte Kimi Räikkönen. Der Finne hatte das Qualifying dominiert, er lag nach dem Start souverän in Führung – und fiel dann wegen einer defekten Antriebswelle aus. Da war es für McLaren-Mercedes auch kein großer Trost, dass Alexander Wurz, der den noch verletzten Juan Pablo Montoya ersetzte, mit einem starken Rennen Platz vier erreichte. Enttäuschung auch bei BMW-Williams: Platz acht und neun für Nick Heidfeld und Mark Webber. „Wir waren heute einfach zu langsam, ohne dass wir wirklich ersichtliche Probleme gehabt hätten“, sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen verwundert. Ursprünglich hatte auch Ralf Schumacher im Toyota auf der Strecke noch vor den BMW-Williams gelegen, doch der Bruder des Weltmeisters kassierte eine Zeitstrafe von 25 Sekunden, weil er in gefährlicher Manier vor Heidfeld aus der Box gefahren war. Es hätte fast gekracht.

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