Sport : Fast an der Spitze

Schalke sichert sich einen Platz in der Champions League, aber Bayern und Dortmund sind noch weit weg.

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Hasta luego, Schalke! Hand in Hand mit seiner Tochter Maria verabschiedet sich Raúl vom Gelsenkirchener Publikum. Foto: dpa
Hasta luego, Schalke! Hand in Hand mit seiner Tochter Maria verabschiedet sich Raúl vom Gelsenkirchener Publikum. Foto: dpaFoto: dpa

Nachdem die Verabschiedungen und die Feierlichkeiten nach scheinbar endloser Zeit in der Schalker Arena vergangen waren, erst da schien Horst Heldt zu realisieren, dass diese Saison ein gutes Ende für seinen Klub genommen hat. Der Manager des FC Schalke 04 atmete durch, dann lächelte er. „Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Sie hat alles herausgeholt, was herauszuholen war“, sagte Heldt.

Die Schalker hatten sich ein paar Minuten zuvor mit dem 4:0 gegen Hertha BSC endgültig den dritten Tabellenplatz gesichert und sich damit direkt für die Champions League qualifiziert. Und dafür mussten sich die Hausherren gegen die harmlosen Gäste aus Berlin nicht einmal groß anstrengen.

Für Schalke ist Platz drei ein Erfolg, der nicht nur mindestens 20 Millionen Euro in die nicht gerade üppig gefüllten Vereinskassen spülen wird, sondern auch den Anspruch des Klubs widerspiegelt, zu den besten drei Mannschaften in der Bundesliga zu zählen. Es herrscht große Erleichterung rund um den Schalker Markt, weil der Verein eine Saison „mit vielen schwierigen Situationen“ (Heldt) hinter sich hat.

Im September 2011 hatte Trainer Ralf Rangnick aufgrund eines Burn-outs den Klub verlassen und damit für eine Situation gesorgt, die den Manager vor die anspruchsvolle Aufgabe stellte, einen gleichwertigen Nachfolger zu finden. Seine Wahl fiel auf Huub Stevens. „Der hat das hervorragend gemacht“, sagt Heldt. Zudem sorgten schwere Verletzungen bei gleich drei Torhütern für eine kuriose Personallage.

Zumindest aber scheinen die beschwerlichen Jahre unter Trainer-Manager Felix Magath mit diesem Ergebnis endgültig verarbeitet zu sein, auch wenn Heldt noch sieben Spieler verkaufen muss. „Wir wollen runter von der Quantität und die Qualität erhalten“, sagte Heldt etwas umständlich. Im Klartext: Der Kader wird verkleinert. Mit Jefferson Farfan hat der Klub nach monatelangen Verhandlungen bis 2016 verlängert und damit einen wichtigen Spieler gehalten. Das verkündete der Manager per Mikrofon nach dem Hertha-Spiel in der Schalker Arena.

Die Champions-League-Teilnahme wird in der kommenden Saison allerdings auch für größere Erwartungen sorgen. Der Traum vom Gewinn der Meisterschaft gehört mittlerweile zu diesem Klub wie der legendäre Schalker Kreisel. Doch auch wenn die Schalker rund 75 Millionen Euro in die Mannschaft investiert haben – nur Bayern München hat in der Bundesliga mehr Geld fürs Team ausgegeben –, so waren sie in dieser Spielzeit nie ein ernst zu nehmender Titelkandidat. Und das, obwohl sie einen Weltstar wie Raúl im Team hatten und einen Torjäger wie Klaas-Jan Huntelaar, der gegen die Berliner seine Treffer 26 und 27 in der Bundesliga erzielte. „Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Uns fehlt Konstanz, das darf man nicht vergessen“, sagte Stevens immer wieder.

Der Mannschaft fehlen gerade gegen aggressive und lauffreudige Gegner wie Dortmund, Mönchengladbach oder zuletzt auch Nürnberg die Mittel, sich spielerisch zur Wehr zu setzen. Mit diesem Manko können sie einfach kein Titelkandidat sein. Gerade Talenten wie Lewis Holtby oder auch Julian Draxler mangelt es dazu noch an Robustheit. Und auch auf der Ersatzbank fehlen qualitativ hochwertige Alternativen; in diesem Punkt ist die direkte Konkurrenz besser.

Deshalb scheinen sich die Schalker derzeit in einer Rolle einzurichten, die auch der FC Valencia in Spanien seit einigen Jahren einnimmt: Valencia bewegt sich in unmittelbarer Nähe zur Spitze, aber zwei Topklubs befinden sich in einer anderen, höherwertigen Kategorie. In Spanien sind es der FC Barcelona und Real Madrid, in Deutschland nehmen der FC Bayern München und Borussia Dortmund derzeit diese hervorgehobene Stellung ein. An diese Teams kommt Schalke noch nicht heran. „Mit Platz drei sind wir am Limit. Man muss aber auch sehen, dass wir von Platz 14 kommen“, sagte Horst Heldt.

Mit ihrem Aufwand haben sie auf Schalke in dieser Saison das Bestmögliche herausgeholt. Doch für die nächste Saison werden die Ansprüche anders formuliert, vor allem von den Fans. Der Druck auf Schalke wird größer.

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