Sport : Fast fair

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Robert Ide über die Angst vor

der deutschen OlympiaEntscheidung

Es sind manchmal die kleinen Meldungen, die das große Ganze erklären. Zum Beispiel diese hier: „Bundeskanzler Gerhard Schröder und Innenminister Otto Schily werden am 12. April in München der Wahl des deutschen Olympiabewerbers 2012 beiwohnen.“ (dpa; Freitag; 13 Uhr 40) Diese Meldung sagt uns zweierlei. Erstens: Die Politik interessiert sich mehr und mehr für den Sport. Das hat Schröder schon gezeigt, als er vor kurzem die Spitzen des Sports im Kanzleramt empfing. Zweitens: Die Politik braucht den Glanz sportlicher Ereignisse. Deshalb wird die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 subventioniert. Deshalb fährt der Regierungschef zur Olympia-Wahl nach München.

Ist Sport also Politik? Die Antwort auf diese Frage gibt uns eine zweite kleine Meldung: „Die ehemaligen Spitzensportler Heide Ecker-Rosendahl und Michael Groß verzichten bei der Wahl in München auf ihr Stimmrecht – aus Gründen der Fairness.“ (sid; Freitag; 13 Uhr 14) Diese Nachricht hat ebenfalls eine Botschaft, auch wenn sie schwer zu entziffern ist. Sie lautet: Im Sport herrscht nicht nur Vorfreude, sondern auch Angst. Denn was passiert, wenn eine Stadt – etwa der Favorit Hamburg – gewinnt und für Deutschland ins Rennen geht? Und wenn es vier Verlierer – in diesem Falle Düsseldorf, Leipzig, Stuttgart und Frankfurt am Main – gibt, die vor Enttäuschung wenig Lust haben, den Sieger international zu unterstützen? Werden dann nicht alte Rechnungen beglichen? Werden dann nicht all die kleinen Meldungen rausgeholt mit den gegenseitigen Sticheleien? Wird dann nicht gefragt, wer wen gewählt hat und warum?

Genau diese Debatte will das Nationale Olympische Komitee (NOK) verhindern. Denn sie würde die deutsche Bewerbung kaputtmachen. Deshalb werden Herr Groß, dessen Agentur zuletzt alle Bewerberstädte beraten hat, und Frau Ecker-Rosendahl, die sich öffentlich für Düsseldorf stark macht, nicht über Sieger und Verlierer befinden. Das klingt fair. Allerdings muss man dazu wissen: Hätten beide nicht freiwillig verzichtet, wären sie wohl am Vorabend der Wahl dazu gedrängt worden. Das wäre dann keine schöne Meldung gewesen.

Der Sport hat schon einiges gelernt von der Politik.

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