Sport : Fast schon NBA

Real Madrid zählt zu Europas größten Basketballklubs – heute empfängt Alba die Spanier im Uleb-Cup

Benedikt Voigt

Berlin - Der Zeitplan ist entweder stressig oder arrogant: Um 18.45 Uhr sollten die Basketballer von Real Madrid gestern auf dem Flughafen Tegel landen. Um 20 Uhr sollten sie bereits in der Max-Schmeling-Halle eine Trainingseinheit absolvieren. Eike Marx, der im Auftrag von Alba Berlin die Gastmannschaften empfängt, wundert sich. „Entweder fahren sie sofort in die Halle“, sagt der Berliner Teambetreuer, „oder sie müssen vor dem Spiel gegen uns nicht trainieren.“

Real Madrid könnte sich das wahrscheinlich sogar leisten. Die zwölf Basketballer, die heute in der Max-Schmeling-Halle (19.30 Uhr, live auf Eurosport 2, Karten noch vorrätig) im Hinspiel des Uleb-Cup-Achtelfinales auf Alba Berlin treffen, gelten als eine der stärksten Mannschaften Europas. Die spanische Liga ACB führt Real Madrid mit nur zwei Niederlagen an. „Die Mannschaft hat keine Schwächen“, sagt Svetislav Pesic, „sie ist in der Offensive und Defensive sehr, sehr gut.“ Trotzdem ist es dem ehemaligen Trainer von Alba Berlin mit Akasvayu Girona gelungen, das Starensemble zu besiegen. „Das war das beste Saisonspiel meiner Mannschaft“, berichtet Pesic. Aussichtslos sei Albas Vorhaben also nicht. „Alba muss den Mut haben zu gewinnen“, sagt Pesic, „und die Berliner Zuschauer müssen auch mitspielen.“

Svetislav Pesic schätzt den Etat der Spanier auf 18 Millionen Euro. Was wenig ist, verglichen mit den 317,93 Millionen Euro Etat der Fußballabteilung von Real Madrid, aber viel, wenn man es mit den sieben Millionen Euro Etat von Alba Berlin vergleicht. Trotzdem konnte sich Real Madrid in der starken spanischen Liga zuletzt nicht für die Euroleague qualifizieren. Dafür verhandelte der Klub, bei dem der ehemalige NBA-Star Vlade Divac als General Manager firmiert, zuletzt mit der nordamerikanischen Profiliga NBA. „Ich halte es aber für nicht realistisch, dass ein einzelnes europäisches Team in den USA mitspielt“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „das war eher ein politischer Move, um auf sich aufmerksam zu machen.“ Er vermutet dahinter die innerspanische Abneigung zwischen Spaniern und Katalanen. So sitzt die Euroleague in Barcelona, die meisten ihrer Funktionäre sind Katalanen. „Es gab Vorbehalte zwischen Real und der Euroleague, aber das hat sich entspannt“, sagt Baldi.

Zuletzt konnte Real beim Tabellenvorletzten Vive Menorca (83:79) nicht überzeugen. „Die Spieler mussten bis zum Ende kämpfen“, berichtet Svetislav Pesic. Centerspieler Felipe Reyes spielte nur sieben Minuten. „Ich weiß nicht, was mit ihm ist“, sagt Pesic, „wenn er nicht fit ist, hat Madrid unter dem Korb ein Problem.“ Auch der nachträglich verpflichtete Slowene Marko Milic und der Montenegriner Blagota Sekulic könnten nicht so sehr helfen. „Die kommen beide von der Bank“, sagt Pesic. Die größte Gefahr in der Offensive geht von den beiden amerikanischen Aufbauspielern Charles Smith und Louis Bullock aus. „Die können alle unheimlich gut schießen“, sagt Albas Trainer Henrik Rödl, „unsere Hauptaufgabe wird in der Verteidigung liegen.“

Beim Rückspiel am 13. Februar in Madrid werden die Berliner von 15 000 Fans empfangen werden. „Dort spielt Real sehr gut“, sagt Pesic, „aber Alba soll sich darüber keine Gedanken machen, sondern sich auf das Hinspiel konzentrieren.“ Da spricht der alte Trainer.

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