Sport : Faszinierend gefährlich

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Armin Lehmann über

die Risikobereitschaft auf der Tour

Es waren dramatische Szenen, die sich da am Sonntag auf der ersten Etappe der Tour de France abspielten. Wer die Bilder im Fernsehen gesehen hat, musste den Atem anhalten, und viele werden gedacht haben: Was für ein Wunder, dass die gestürzten Fahrer nicht schlimmere Verletzungen erlitten haben. Die altgedienten TourHasen sagen in solchen Fällen: Das Risiko gehört eben dazu, solche spektakulären Stürze wie auch auf der gestrigen dritten Etappe machen die Faszination der Tour aus. Aber ist das gut so?

Am Montag sind bis auf zwei Fahrer alle Radprofis wieder in den Sattel gestiegen, Mitfavorit Tyler Hamilton sogar mit einem gebrochenen Schlüsselbein. Die Statistiker haben schnell nachgeschlagen und melden, dass Hamilton im Vorjahr beim Giro d’Italia mit gebrochener Schulter Zweiter wurde. Sind diese Fahrer nun Helden oder nur vernebelt vom Mythos Tour? Und: Muss das Faszinierende gleich lebensgefährlich sein?

Nicht nur Laien stellen solche Fragen, sondern auch einer, der es ein wenig einschätzen kann: Olaf Pollack vom Team Gerolsteiner ist zum ersten Mal bei einer Tour dabei, aber er ist ein erfahrener Profi. Er ist Olympiasieger und Weltmeister auf der Bahn geworden, und er weiß, wie mit harten Bandagen gekämpft wird. Nach dem Massensturz vom Sonntag und vor seinem erneuten Sturz gestern sagte Pollack fassungslos, „anscheinend geht es hier um Leben und Tod“. Er werde nun überdenken, ob es sich lohnt mitzuspurten. „Ich bin ja nicht lebensmüde.“ (siehe Kasten) Diese Einstellung werden viele Fahrer nicht gut finden, und natürlich hilft sie dem Wettbewerb zu keiner Schlagzeile. Aber man kann sie teilen.

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