Sport : Fauler Zauber

Die Brasilianer unterliegen beim Confed-Cup überraschend den Mexikanern 0:1

André Görke[Hannover]

In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft hat Jared Borgetti schon einige Glücksgefühle erlebt. Zwölf Tore hat der Mexikaner bislang erzielt. Am Sonntagabend kam vor 39 297 Zuschauern in Hannover noch ein besonderes Gefühl dazu. Das nämlich, beim Confed-Cup eine besondere Überraschung erreicht zu haben. Er erzielte das Siegtor beim 1:0 der Mexikaner gegen Brasilien in der Gruppe B. Die Brasilianer müssen nun gegen Japan mindestens Unentschieden spielen, Mexiko dagegen ist schon für das Halbfinale qualifiziert.

Der Weg ins Stadion von Hannover war für die Brasilianer diesmal extra kurz. Die Mannschaft ist in einem feinen Hotel am Maschsee untergebracht, der direkt hinter der Tribüne liegt. Weil aber so viele Fans das Hotel belagert hatten, musste die Polizei kommen, damit der Bus die 200 Meter auf der Straße zurücklegen konnte. Nach ihrem ersten Spiel hatten sich die Brasilianer noch darüber beklagt, dass sich ein Fahrer beim Transport von Funktionären des brasilianischen Verbandes verfahren hatte. Außerdem seien die Trainingsplätze in Hannover nicht angemessen gewesen. „Oft sind es die kleinen Dinge, die unsere Arbeit erschweren“, sagte America Faria, der Chefsupervisor der Nationalelf.

Davon ließen sich die Brasilianer jedoch im Spiel wenig anmerken. Sie eröffneten die Begegnung ausgesprochen forsch. Die erste halbe Stunde schien wie ein Prolog für eine ganz große Vorstellung zu sein. Doch die erste Inszenierung in diesem Spiel gönnte sich Schiedsrichter Roberto Rosetti aus Italien. Er war erst kurz zuvor für den Tunesier Mourad Daami nominiert worden. In der 29. Minute nahm es Rosetti so genau, als müsse er gerade seine erste wichtige Regelprüfung ablegen. Gleich zweimal ließ er einen Elfmeter wiederholen.

Nach einem Foul an Jared Borgetti, trat Borgetti selber an, um den Strafstoß zu verwandeln. Das erste Mal traf er, doch da war ein Mexikaner während der Ausführung in den Strafraum gelaufen. Den zweiten setzte Borgetti an die Latte, doch Rosetti ließ ihn noch einmal schießen. Diesmal hatte sich der Brasilianer Emerson zu früh in den Strafraum begeben. Die dritte Chance vereitelte dann Brasiliens Torwart Dida. Im Grunde hätte Rosetti noch einmal wiederholen müssen, denn auch diesmal war ein Brasilianer losgestürmt.

Hilflos schaute Borgetti anschließend zum Linienrichter und hob fragend die Arme. „Und?“, sollte das wohl heißen, „bekomme ich noch einen Elfmeter?“ Doch der Linienrichter ließ die Fahne unten und den Mexikaner Borgetti allein mit seiner Schmach.

Das Führungstor hätte den Spielverlauf auf den Kopf gestellt, denn die Brasilianer hatten bis dahin viele Torchancen. Fünf Torgelegenheiten stand bis dahin keine einzige der Mexikaner gegenüber. Doch mit ihren Möglichkeiten gingen die Südamerikaner fast ein wenig arrogant um. Immer wieder scheiterte Adriano mit seinen Schüssen am mexikanischen Torwart Sanchez oder legte den Ball knapp neben den Pfosten – wie bei seiner vielleicht besten Chance in der 39. Minute. Regungslos stand Trainer Carlos Alberto Parreira währenddessen am Spielfeldrand. Es war bereits sein 100. Spiel als Coach der brasilianischen Nationalmannschaft.

In der zweiten Halbzeit stülpten die Brasilianer weiter den Mexikanern ihr Spielsystem über und kamen wieder zu Chancen. Nutzen konnten sie jedoch keine davon Die Mexikaner dagegen gewannen im Laufe des Spiels immer mehr Stabilität in der Abwehr und wurden gefährlich mit ihren Kontern. Sie belohnten sich in der 59. Minute durch das 1:0. Borgetti stieg nach einem Eckball hoch und köpfte ins Tor. Diesmal verlangte der Schiedsrichter von ihm keine Wiederholung.

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